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Der Soziologe Edgar Wunder belegt, warum steigende Zahlen keine Trendwende sind, obwohl Umfragen ein Glaubens-Interesse zeigen.
Gibt es einen „Boom“ bei Erwachsenentaufen? Das zweifelt der Soziologe Edgar Wunder nicht nur für Frankreich an, wo davon mitunter die Rede ist, sondern auch für Deutschland.
Während hierzulande 80 bis 90 Prozent der kirchlich gebundenen Eltern ihre Kinder taufen ließen, seien es in Frankreich nur rund 60 Prozent, sagt der Wissenschaftler vom Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Dadurch wachse dort die Gruppe ungetaufter Kinder, aus der später nachgeholte Taufen hervorgingen.
Erwachsenentaufen fangen Rückgang bei Kindern nicht auf
Insgesamt stehe Deutschland bei der Taufquote bis ins junge Erwachsenenalter besser da als Frankreich. Wenn die Zahl ungetaufter Menschen steige, könnten auch die Taufzahlen wachsen, ohne dass sich der prozentuale Anteil der Getauften insgesamt erhöhe, sagt Wunder.
Zugleich seien die Größenverhältnisse eindeutig: Rückgänge bei Kindertaufen fielen deutlich stärker ins Gewicht als Zugewinne durch spätere Taufen. Diese könnten den Verlust nicht ausgleichen.
Meinungsforscher: Glaubens-Interesse bei Jugendlichen
Eine „Rückkehr der Religion“ sieht Wunder in beiden Ländern nicht: „Von einer Umkehr der Säkularisierung kann keine Rede sein.“ Auch beim Glauben selbst unterschieden sich Frankreich und Deutschland kaum. In beiden Ländern glaubten etwas mehr als 40 Prozent der Menschen an Gott.
Derweil sieht der Meinungsforscher Hermann Binkert ein gesteigertes Interesse junger Menschen an Glaubensfragen. „Wir stellen fest, dass junge Erwachsene auch in Deutschland überdurchschnittlich häufig an Gott glauben“, sagt der Geschäftsführer des Erfurter Meinungsforschungsinstituts „Insa Consulere“ der evangelischen mitteldeutschen Kirchenzeitung „Glaube und Heimat“.
Warum Jugendliche sich interessieren
Begründet sieht Binkert das Interesse Jugendlicher an Spiritualität in einer Suche nach Halt und Werten. Menschen suchten Orientierung, das Christentum könne diese geben.
Von den Kirchen erwartet er mehr Selbstbewusstsein, das Evangelium zu verkünden. „Wer nicht von sich selbst überzeugt ist, überzeugt auch andere nicht“, mahnt Binkert. Die Kirchen sollten „Antworten auf die letzten Fragen geben und sich nicht bei den vorletzten Fragen verheddern“.