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Aktionstag „Speisung der 5.000“ gegen Lebensmittelverschwendung

Tausende Menschen durften in Münster kostenlos essen

Fünf engagierte Frauen setzten im Rathausinnenhof ein Zeichen gegen die Vernichtung genießbarer Lebensmittel. Der Verein „Stop Food Waste for Peace, Münster“ sowie kirchliche Hilfsorganisationen bewirteten Tausende gratis.

Der Plan, mehrere tausend Menschen mit Lebensmitteln, die eigentlich weggeworfen worden wären, satt zu machen, hat etwas Biblisches. Das Motto, „Feeding the 5.000“ („Speisung der 5.000“) stammt aus dem Neuen Testament. Das Konzept kommt allerdings aus England: „Warum sollten wir etwas ganz Neues erfinden?“ meint Verena Meyer.

Sie ist eine der fünf Frauen, die sich im Verein „Stop Food Waste for Peace, Münster“ zusammengeschlossen haben, um aktiv Überzeugungsarbeit zu leisten: „Jeder kann die Lebensmittelverschwendung reduzieren.“ Sie kocht selbst für ihr Leben gern, genauso wie Claudia Thermann, Yvonne Elling, Sara-Dunja Menzel und Brinja Meiseberg.

Erst im Februar hatten die fünf Frauen den Beschluss gefasst, nach dem Vorbild der englischen Organisation „Feedback“ an einem Aktionstag dafür zu werben, noch genießbare Lebensmittel auch über das Haltbarkeitsdatum und die Verkaufsmöglichkeit in Geschäften hinaus zu verwenden.

Menü aus 300 Kilo Brot

Sie fanden etwa hundert weitere Freiwillige, die unter anderem aus rund 650 kg Obst und Gemüse und 300 kg Brot ein Menü zusammenstellten, zu dem am 16. September im Rathausinnenhof eingeladen war. „Ich habe das heute morgen im Radio gehört und habe mich spontan auf den Weg gemacht“, erzählt ein Mann mittleren Alters, während er Gemüsesuppe löffelt.

Außerdem gab es Butterbrote mit Käse, Pesto und Marmelade sowie ein Dessert aus Quark und Erdbeermus. Alles nachhaltig auf Porzellantellern, in mitnehmbaren Frischhaltedosen oder essbaren Waffelschalen serviert, so dass die Mülleimer eigentlich nur für die gebrauchten Papierservietten bereitstanden.

Teamarbeit mit Maltesern, Misereor und Brot für die Welt

Seit Wochen wurden Obst und Gemüse von den vielen Helfern gewaschen, geputzt und geschnitzelt oder püriert. Was nicht sofort etwa zu Marmelade weiterverarbeitet wurde, kam, vakuumverpackt, in die Tiefkühltruhe. Die Malteser waren am Samstag mit ihrer mobilen Küche angerückt und kochten aus dem aufgetauten Gemüse riesige Mengen an Suppe.

Von 10 bis 16 Uhr konnten sich die Besucher am Samstag im Rathausinnenhof in MÜnster bewirten lassen. | Foto: Claudia Maria Korsmeier
Von 10 bis 16 Uhr konnten sich die Besucher am Samstag im Rathausinnenhof in MÜnster bewirten lassen. | Foto: Claudia Maria Korsmeier

Auch andere Organisationen trugen durch Sponsoring und eigene Stände zur Realisierung des Projekts bei und warben für nachhaltige Landwirtschaft, zum Beispiel „Brot für die Welt“ und „Misereor“. Außerdem gab es ein Show-Kochen des Kochs Nikolas Spitzner und eine Einlage mit Schauspielern des Theaters „Der Kleine Bühnenboden“. Mit an Bord waren außerdem die Münsteraner Abfallwirtschaftsbetriebe und die Gesamtschule Münster Ost.

An den Tischen lagen Fragebögen aus, auf denen man zu seinem Einkaufsverhalten Auskunft geben sollte. Es ging weniger um Statisches als um die Haltung. Die Fragen verfehlten nicht ihre Wirkung: „Man sollte mehr nachdenken beim Einkaufen“, waren sich einige Münsteraner, die an einem Stehtisch zusammen Suppe aßen, einig. Warum zum Beispiel immer die Lebensmittel kaufen, die das längste Haltbarkeitsdatum haben, wenn man sie ohnehin sofort zu essen gedenkt? Einhellig bestand der Wunsch nach einer Wiederholung des Aktionstags.

Bewusst genießen

Dass allein in Europa 88 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr weggeworfen werden, hatte auch die fünf Initiatorinnen umgetrieben. „Es geht um die Wertschätzung unserer täglichen Ernährung“, betont Claudia Thermann. Sie schlägt vor: „Bewusst genießen, Produkte aus der Region kaufen, schauen, was saisonal gerade dran ist, und in der Kantine mittags kleinere Portionen essen. Diese kleinen Schritte haben schon eine große Wirkung.“

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Kampanile Medienagentur