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Jens Joest über Zukunftsperspektiven von Geistlichen in der Seelsorge

Teilzeit-Priester mit Zivilberuf – das hat Potenzial

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Ständige Diakone mit Zivilberuf gibt es seit Jahrzehnten. Unser Redakteur Jens Joest kann sich Ähnliches für Priester vorstellen. Nicht nur, weil sich deren Aufgaben in der Kirche weiter wandeln dürften. Sondern auch, weil es Chancen für die Seelsorge birgt.

Zehn Ständige Diakone werden am 13. November in Münster geweiht, sie üben ihr Amt neben einem Zivilberuf aus. Das Modell hat Potenzial – auch für Priester.

Nicht, weil irgendjemand annähme, sie hätten so wenig zu tun, dass dafür eine „halbe Stelle“ ausreicht. Die Frage ist vielmehr: Welche Aufgaben liegen zwingend bei Priestern? Verwaltung, Planung, Organisation und Personalführung? Vorsitz und Mitarbeit in diversen Gremien? Das leisten längst Laien. Priester sind Seelsorger – aber wo wird das eigentlich noch nachgefragt?

Eucharistie für kleine Gruppen?

In Werktagsmessen, an denen mehr Menschen mit Funktion – Priester, Lektorin, Küster, Organistin – teilnehmen als Mitfeiernde? Am Sonntag, wo Priester drei Gottesdienste nacheinander halten – unter Zeitdruck?

Erfahrungen von Pfarrfest, Erntedank und Co. lehren: Wer sich traut, Messen zusammenzulegen, schafft lebendige Gottesdienstgemeinden und lässt auch den Priestern Zeit für eine ansprechende Gestaltung.

Weniger Gottesdienste, mehr Freiräume

Ich persönlich bin überzeugt: Die flächendeckende Gottesdienstversorgung hat keine Zukunft, sie läuft mit der Generation der heutigen Großeltern aus. Auf Dauer bleiben werden wenige Kirchen mit gut gestalteten Mess- und anderen Angeboten.

Kommt es so, dann könnten Pries­­ter Freiräume gewinnen. Für Seelsorge, für persönliche Gespräche mit Suchenden, für Zeit in Pflegeheimen, Schulen, Kitas. Aber müsste es bei punktuellen Besuchen bleiben?

Priester als Lehrer – oder am Fließband

Manch ein Priester gäbe einen guten Lehrer ab. Der Gedanke, Geistliche in der Pflege einzusetzen, mag abwegig sein – nicht jeder bringt etwa die körperlichen Voraussetzungen mit. Dabei wäre es Seelsorge, in Schulen jungen Menschen zu begegnen. Oder in Krankenhäusern und Seniorenheimen im normalen Stationsalltag mitzuarbeiten. Warum nicht auch, am Fließband zu stehen bei Fabrikarbeitern?

So gäbe es Priester mit Zivilberuf. Nicht als einziges Modell, aber als eine Möglichkeit unter mehreren.

Erste Priester gehen bereits in Teilzeit

Alles Theorie? Jüngst haben ein Pfarrer am Niederrhein eine Erzieher-Ausbildung und ein Kaplan im nördlichen Ruhrgebiet ein Lehramts-Studium begonnen. Beide bleiben Priester. Es scheint, dass erste Priester sich längst Gedanken machen, wo sie auf Dauer ihre Berufung leben möchten.

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