Schul-Angebot des Wolfgang-Borchert-Theaters in Münster

Theaterstück „Patricks Trick“ thematisiert Menschen mit Behinderung

Gespannt sitzen die Zuschauer in der Jugendkirche „Effata“ im Kreis. „Patricks Trick“ heißt das Theaterstück, das das Wolfgang-Borchert-Theater aus Münster aufführen wird. Die zwei Schauspieler, Florian Bender und Johannes Langer, betreten die „Bühne“.
Patrick, gespielt von Johannes Langer, erzählt davon, dass er immer einen großen Bruder haben wollte. Jetzt hat er erfahren, dass er einen kleinen Bruder bekommt.

Oft beraten sich Patricks Eltern in der Küche. Manchmal weinen sie sogar. Der elfjährige Junge erfährt immer mehr über seinen neuen Bruder. Er möchte wissen, wie er ihm helfen kann, denn er weiß, dass er irgendwie anders sein wird. Deshalb bittet er viele Leute um Rar. So trifft er zum Beispiel einen Box-Trainer, die lispelnde Lehrerin Frau Schlepper oder einen ominösen Mann mit Turban.

Was ist los mit Patricks Bruder?

Beim Belauschen der Eltern hat er auch noch heraushören können, dass sein Bruder niemals sprechen wird. Also geht er zu seinem kroatischen Freund Daniel, denn er musste die deutsche Sprache ja auch neu lernen.

Als er erfährt, dass sein Bruder eine Behinderung haben wird, ist Patrick zunächst geschockt. Weil er Näheres wissen will, unterhält er sich mit der Markt-Verkäuferin, die ebenfalls eine Behinderung hat.

Schauspieler wechselt Rolle sekundenschnell

Mit seinem Bruder kann Patrick bereits in seinen Gedanken sprechen. Der noch nicht geborene Bruder berät den Elfjährigen in seinem Zwiespalt, denn Patrick hat Angst vor dem, was kommt.

Für Aufführungen von „­Patricks Trick“ können sich Schulen an das Wolfgang-Borchert-Theater wenden.

Gespielt wird der Bruder von Florian Bender. Das Multi-Talent nutzt zudem seine grüne Jacke, um in zahlreiche andere Rollen zu schlüpfen. Setzt er zum Beispiel die Kapuze auf, spielt er Valentin, den mutigen Freund von Patrick. Ist der Pullover locker auf die Schulter gelegt und fängt Bender mit einem Überbiss an zu lispeln, spielt er in dem Moment die unfreiwillig komische Lehrerin Frau Schlepper.

Bender schafft es, innerhalb weniger Sekunden zwischen den Rollen zu wechseln, ohne dass es die Zuschauer verwirrt. Sie wissen genau, wen er gerade spielt. Oft lädt der Wechsel zum Schmunzeln ein.

Vorfreude auf den Bruder

So unterhaltsam „Patricks Trick“ an einigen Stellen ist, so behandelt das Stück gleichzeitig ein ernstes Thema und die Ängste von Patrick. Besonders beeindruckend ist etwa eine Szene, in der der behinderte Bruder verkrampft auf dem Boden liegt und einfach nicht mit dem Schreien aufhört.

Hier ist Patrick gefragt, zu reagieren, was ihm zunächst nicht leicht fällt. Doch er lernt, seinen Bruder zu trösten, wodurch dieser sich beruhigt. Am Ende fürchtet sich Patrick nicht mehr vor der Behinderung seines Bruders und lernt, dass es nicht schlimm ist, wenn jemand anders ist. „Ich wollte immer einen kleinen Bruder haben – jetzt bin ich selbst einer“, beendet Johannes Langer als Patrick das Stück.

Gute Resonanz vom Publikum

Die Zuschauer haben nach der Aufführung die Möglichkeit, Fragen an die Darsteller und an Regisseurin Tanja Weidner zu richten. „Das Thema Inklusion ist in aller Munde. So wollten wir einen Beitrag dazu liefern. Wir führen es vor allem in Schulen auf“, sagt Weidner.

„Das Publikum reagiert immer anders. Bei älteren Kindern und Jugendlichen versuchen wir, die Gefühle mehr zu kitzeln, damit wir sie mit ins Boot holen“, erklärt Johannes Langer.