Weihbischof für Segnung homosexueller Paare und Zölibats-Debatte

Theising: Sexualmoral der katholischen Kirche erneuerungsbedürftig

Die Sexualmoral der katholischen Kirche ist nach Ansicht von Weihbischof Wilfried Theising aus Vechta „erneuerungsbedürftig“. In einem Interview mit der „Oldenburgischen Volkszeitung“ in Vechta sprach sich Theising für die Segnung homosexueller Paare und eine „ideologiefreie“ Debatte über den Zölibat aus.

Das Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Paare müsse neu bewertet werden, sagte der Weihbischof, der seit 2017 als Offizial den oldenburgischen Teil des Bistums Münster leitet. „Wir möchten zwar nicht, dass unsere Auffassung von der christlichen Ehe verwässert wird“, erklärte Theising. Trotzdem könne man für andere Formen des Zusammenlebens eine Wertschätzung finden. „Wir können Menschen, die für einander Verantwortung übernehmen, nicht den Segen Gottes vorenthalten.“

Für offene Diskussion über den Zölibat

Theising sprach sich auch für eine offene und ehrliche Diskussion über den Zölibat aus. „Es gibt Priester, die in ihrem zölibatären Leben glücklich und überzeugend sind“, erklärte Theising. „Es gibt aber auch jene, die unglücklich sind.“ Da könne der Zölibat keine Strahlkraft entwickeln.

Der Weihbischof bezeichnete den Zölibat als die Lebensform Jesu. Die Priester wollten ihm nacheifern und ihm ähnlich werden. „Aber ich bin da nicht festgelegt und glaube nicht, dass der Zölibat andere Lebensformen für Priester ausschließt“, sagte Theising. Er sprach sich für eine „sachliche, ideologiefreie Debatte“ darüber aus.

Auch die Weihe von „viri probati“ (in Beruf und Gemeinde bewährte verheiratete Männer) sei wieder aktuell. „Das müssen wir angstfrei ansprechen“, forderte Theising.