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Leben, Sterben und Tod: Darüber spricht man nicht gern. Wohl, weil es um die wichtigsten Fragen geht. Wie die Heilige Woche sich ihnen stellt.
Die Kartage sind Tage existenzieller Fragen. Die Fußwaschung am Gründonnerstag wirft die Frage nach der hier von Jesus auf den Kopf gestellten Ordnung auf. Der Meister wäscht den Jüngern die Füße und nicht umgekehrt. Das bisherige Oben-Unten-Schema gilt nicht mehr. Jesus tut etwas völlig Verrücktes, beugt sich selbst zu seinen Freunden herab und reinigt ihre Füße.
Auch bei denen, die seine Verräter und Verleugner sein würden. Was für Jesus ein Liebesbeweis, ein Akt der Zuneigung und ein Beispiel sein sollte, ist für die Jünger eine Provokation, in ihren Augen macht er sich klein und demütigt sich. Durch seine Zeichenhandlung hat er sicherlich nachdrücklicher gepredigt als in einer wortlastigen Ansprache.
Mehr als bloße Erinnerung
Jesus hält ein Letztes Abendmahl. Scheiden tut weh. Wer setzt sich schon gern diesem Schmerz aus? War denn alles Bisherige umsonst? Was kommt danach, wie wird es weitergehen? Ist ihre gemeinsame Geschichte nun definitiv zu Ende? Wie geht ein Leben ohne ihn? Jede Jüngerin und jeder Jünger werden sich gefragt haben: Wie soll ich leben, wenn er nicht mehr da ist? Reicht dann der Verweis auf die bleibende Eucharistie?
Sehr fragwürdig bis skandalträchtig ist für viele Menschen, dass fortan nur der, der das „Fleisch“ des Menschensohnes isst und sein „Blut“ trinkt, das Leben in sich haben soll. Die von Jesus eingesetzte Eucharistiefeier ist nicht nur eine Reminiszenz an sein Abschiedsmahl mit seinen Vertrauten, keine bloße Erinnerung, lediglich symbolisch zu deuten, sondern ganzheitlich Allerheiligstes und den Menschen Heiligendes.
Weihepriestertum nur für Männer?
Wie kann das damalige Geschehen für „heute“ noch relevant sein und weiterwirken? Jesus setzte das Weihepriestertum am Gründonnerstag ein. Heißt das, dass nur Männer dazu berufen werden?
Den gängigen Abendmahlsbildern mit einer reinen Männergesellschaft zum Trotz dürften bei dieser Gelegenheit auch Frauen dabei gewesen sein, waren sie doch sonst immer in der Gesellschaft Jesu zu finden. Das Pessachmahl bekommt eine fundamental neue Ausrichtung: Wer sich darauf einlässt, lebt im Neuen Bund.