„Einer der einflussreichsten Theologen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil“

Theologe Johann Baptist Metz erhält NRW-Landesverdienstorden

Johann Baptist Metz (90), weltweit anerkannter Theologe und Begründer der „Neuen Politischen Theologie“, erhält den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Er sei eine wichtige Stimme in der Debatte um eine „Theologie nach Auschwitz“ und ein fortwährender Fürsprecher des christlich-jüdischen Dialogs, teilte die Staatskanzlei auf Anfrage mit. Neben Metz bekommen den Angaben nach neun weitere „außerordentliche Bürgerinnen und Bürger“ am 15. Dezember im Historischen Rathaus Aachen den Landesverdienstorden.

Metz sei einer der einflussreichsten Theologen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, hieß es. Als Begründer der „Neuen Politischen Theologie“ habe er früh eine Brücke zu den Vertretern der neomarxistischen Sozialphilosophie, der sogenannten Frankfurter Schule, geschlagen.

Professor in Münster

Der 1928 in Auerbach in der Oberpfalz geborene Metz promovierte nach Studien in Bamberg, Innsbruck und München in Philosophie und Theologie und wurde 1954 zum Priester geweiht. Nach Jahren in der Seelsorge lehrte er von 1963 bis 1993 Fundamentaltheologie in Münster. Nach dem Konzil war er Berater des römischen Sekretariats für die Nicht-Glaubenden.

Der Schüler des Jesuiten Karl Rahner (1904-1984) hatte Einfluss auf Entstehung und Entfaltung der lateinamerikanischen Befreiungstheologie und wurde selbst von dieser mitgeprägt. Metz war Berater der Synode der Bistümer der Bundesrepublik Deutschland von 1971 bis 1975 in Würzburg. Der Synodenbeschluss „Unsere Hoffnung“ über das Christsein im Alltag trägt seine Handschrift.

Freundschaft zu Habermas, Skepsis bei Ratzinger

Metz warnt immer wieder vor einer Verbürgerlichung des Christentums und einer „Vergleichgültigung“ der Gesellschaft. Inspiriert wurde er in seinem Denken auch von der Frankfurter Schule um Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und Jürgen Habermas, mit dem Metz befreundet ist.

Die von Metz vertretene „Neue Politische Theologie“ stieß indes bei Joseph Ratzinger, dem emeritierten Papst Benedikt XVI., auf Skepsis. Als Erzbischof von München verwehrte Ratzinger 1979 Metz einen Ruf an die dortige Universität. Zur Annäherung kam es bei einer Tagung zum 70. Geburtstag von Metz 1998.

Die Universität Wien, an der Metz von 1993 bis 1997 eine Gastprofessur innehatte, verlieh ihm 1994 den Ehrendoktor. 2002 ehrte ihn der Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit mit der Buber-Rosenzweig-Medaille. 2007 erhielt er den „Theologischen Preis der Salzburger Hochschulwochen“.