GLAUBE UND KIRCHE

Theologe warnt vor „Bibel-Missbrauch“ in Diskussionen

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In innerkirchlichen wie ethischen Debatten berufen sich manche immer wieder auf Bibelzitate. Warum das sogar falsch sein kann.

Von epd

Der evangelische Theologie-Professor Michael Roth rät Christinnen und Christen dringend davon ab, sich in ethischen Debatten auf die Bibel zu berufen. "In der Ethik sollten wir mit rationalen Argumenten überzeugen, nicht mit Verweis auf die Bibel oder Glaubensinhalte", sagt er dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Der Glaube könne das Fundament dafür bilden, wie Menschen die Welt wahrnehmen. Er könne aber keine vernünftigen Gründe für eine ethische Position ersetzen. Das gelte umso mehr in einer Gesellschaft wie der deutschen, die zu einem großen Teil nicht mehr aus Christen bestehe.

"Versuch, Positionen sakrosankt zu machen"

In seinem neuen Buch "Die Bibel als Gefahr für die Ethik" warnt Roth, der an der Universität Mainz evangelische Systematische Theologie und Sozialethik lehrt, vor einem Missbrauch der Bibel. Dieser bestehe darin, in einer ethischen Argumentation den Bezug zur Bibel an die Stelle einer rationalen Argumentation zu setzen, so die eigene Position für sakrosankt zu erklären und der Kritik zu entziehen.

Er erlebe immer wieder, wie selbst nüchterne kirchliche Verwaltungsentscheidungen mit biblischen Zitaten unterfüttert und damit religiös überhöht würden. Eine Diskussion könne aber nicht dadurch entschieden werden, dass sich Vertreter unterschiedlicher Meinungen passende Bibelstellen aufsagten.

"Naiver Umgang mit der Bibel"

Roth erinnert daran, dass mit der Bibel sowohl Sklaverei als auch menschliche Freiheit begründet wurde, Ausbeutung der Natur und Klimaschutz, Monogamie und Polygamie, Frauenverachtung und Feminismus. Auch die Konfessionen hätten einen unterschiedlichen Zugriff auf die Bibel: "Ich glaube nicht, dass die Landeskirchen bibelgemäßer sind als Jehovas Zeugen. Vielmehr lesen sie die Bibel nur jeweils anders, betonen andere Stellen."

Dennoch sei selbst bei Kirchenleitungen immer wieder ein naiver Umgang mit biblischen Texten zu beobachten, sagt der Theologe. Beispiel sei etwa die Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland zu einem modernen Familienverständnis.

"Gott ist nicht Buch geworden"

Darin heißt es unter Berufung auf Abraham, dessen zwei Frauen Sarah und Hagar und ihre gemeinsamen Kinder, bereits im Alten Testament habe es "Patchwork-Familien" gegeben. "Ein methodisch völlig unkontrollierter Bezug auf die Bibel führt zu der Absurdität, die Sklavenbeziehung von Abraham und Hagar als Vorbild einer modernen Patchwork-Familie darzustellen."

Roth betont, nach christlichem Verständnis sei Gott Mensch geworden, nicht Buch: "Die Bibel kommt beispielsweise im Glaubensbekenntnis als Glaubensgegenstand gar nicht vor." Sie sei nicht Selbstzweck, sondern Mittel, um Christus zu verstehen.

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