Münsteraner Priester gründete vor zehn Jahren das „Institut für Theologische Zoologie“

Theologe und Biologe Hagencord: Kirche fremdelt mit Umweltschutz

Mehr kirchliches Engagement bei der Umsetzung der Umweltenzyklika „Laudato si“ fordert der Münsteraner Theologe Rainer Hagencord. Das Dokument liefere dafür „eine sehr gute Grundlage“, sagte Hagencord in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Während die Enzyklika in der Gesellschaft „wahrgenommen und geschätzt“ werde, fühle sich die Amtskirche „fremd mit dem Thema“. Hagencord ist Biologe, Theologe und Priester. Vor zehn Jahren gründete er das „Institut für Theologische Zoologie“ in Münster.

Die Ökologie und die ökologische Katastrophe würden in der Theologie nur „unter ferner liefen verhandelt“, beklagte Hagencord. Dabei habe der Papst mit seinem Schreiben zu einem „fundamentalen Paradigmenwechsel“ aufgerufen, der die gesamte Theologie in eine andere Richtung lenken würde. Diese Botschaft sei weder in der Schultheologie noch in den Gemeinden vor Ort oder in der Bischofskonferenz angekommen.

Hagencord: Gott liebt nicht nur Menschen

Reiner Hagencord Rainer Hagencord ist Biologe, Theologe und Priester des Bistums Münster. 2009 gründete er das „Institut für Theologische Zoologie“. | Foto: Johannes Bernard

Einen Grund für die kirchliche Zurückhaltung beim Thema Tierschutz sieht Hagencord im Festhalten an einer anthropozentrischen Theologie. „Wir reden von einem Gott, der ausschließlich den Menschen liebt, ihn mit einer unsterblichen Seele ausgestattet und in den Himmel kommen lässt.“ Diese Theologie ist für Hagencord „hoch fragwürdig, letztlich sogar wissenschaftsfeindlich und blasphemisch“.

Zunächst sei allgemein von Erlösung gesprochen worden, führte Hagencord aus. „Später war nur noch von der Erlösung des Menschen die Rede, und schließlich redet man nur noch von der Erlösung der Seele des Menschen.“ An diesem Punkt befinde sich heute die Kirche. „Sie sagt, dass uns Menschen das Heil zusteht und dass wir deshalb die Sakramente benötigen. Die Vollmacht, diese zu spenden und die Deutungshoheit über die Lebensführung von Menschen liegt damit bei einer männlich hierarchisch dominierten Kirche.“

Letztendlich stehe „die Machtfrage im Raum“. Wenn die Kirche sagen würde, dass Gott den Menschen ganz unmittelbar auch in Tieren und Pflanzen begegne „und wir ohnehin mit ihm verbunden sind“, dann bedürfe es keiner Hierarchie und Kirche mehr, so er Theologe.