Tagung zur Ökumene im Franz-Hitze-Haus

Theologen: Keine kirchentrennenden Differenzen beim Abendmahl

Mahltheologie, Mahlverständnis, Abendmahlsgemeinschaft: Ein Forum im Franz-Hitze-Haus zur Fragestellung „Auf dem Weg zur Mahlgemeinschaft. Abendmahl und Eucharistie als bleibender Streitpunkt der Konfessionen?“ bot „anstrengende theologische Kost“, wie Tagungsleiter Frank Meier-Hamidi zum Abschluss feststellte. Aber auch Ermutigung durch die drei Referenten, Verantwortung für die Ökumene zu übernehmen.

Dabei fielen offene Worte der Theologen, die bei den Teilnehmenden auf großen Zuspruch und viele klärende Nachfragen stießen. Auch persönliche Erfahrungen der Tagungsgäste - etwa in einer konfessionsverbindenden Ehe oder aus der Sicht eines Pfarrers - flossen in die Diskussion ein. Jan Heilmann, evangelischer Theologe an der Uni Dresden, der katholische Theologieprofessor Christoph Böttigheimer von Uni Eichstätt und der evangelische Theologieprofessor Matthias Haudel von der Uni Münster waren sich einig: Es gebe keine kirchentrennenden Differenzen mehr in der Abendmahlslehre. Warum sich dann die Kirchen, speziell die katholische, mit der eucharistischen Gastfreundschaft trotz der gemeinsamen Glaubensüberzeugungen so schwer täten, dafür gaben sie verschiedene Erklärungen.

 „Konfessionen trennt vor allem das Amtsverständnis“

Für Böttigheimer trennt die Konfessionen vor allem das unterschiedliche Verständnis von Kirche und Amt. Für ihn ist wesentlich:  „Die Fragen, die vor 500 Jahren zur Spaltung geführt haben, sind heute gar nicht mehr relevant.“ Aber für die katholische Kirche werde es schwierig, gemeinsam Eucharistie zu feiern, wenn die Amtsfrage nicht geklärt sei, „also dass nur ein geweihter Priester die Eucharistie gültig feiern darf.“

Dass die gegenseitige Anerkennung der Taufe im Jahr 2007 durch elf Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen eigentlich bereits das grundlegende Band der Einheit bilde, betonte Matthias Haudel. Die Taufe als Tor zur Gemeinschaft der Christen müsse Konsequenzen haben, auch im Hinblick auf ein gemeinsames Abendmahl. Jan Heilmann erinnerte daran, dass in der Urkirche der Antike der Gemeinschaftsgedanke beim Abendmahl das Wichtigste gewesen sei. Dagegen seien Mahlrituale und -theologien erst viel später nach und nach als konfessionelle Traditionen gewachsen. „Hier könnte die Ökumene ansetzen.“

„Man schaut auf die Unterschiede, nicht auf das Verbindende“

Dass die Theologen in ökumenischen Kommissionen dabei längst - und zwar schon seit Jahrzehnten - viel weiter sind als das, was in den Gemeinden erlebbar ist, sei problematisch. „Was gemeinsam erarbeitet und verantwortet wird, das müsste auch umgesetzt werden“, sahen alle drei Referenten etwa kirchenpolitische Fragen, Traditionen und vermutlich auch ein gewisses Wohlfühlen im Ist-Zustand als Hindernisse. „Man schaut auf die Unterschiede, nicht auf das Verbindende“, bedauerten sie übereinstimmend.  Sich zu einer Kirche zu bekennen und die Trennung zu leben, sei ein Selbstwiderspruch.

Dass es mit der ökumenischen Annäherung in der Abendmahlslehre vielen nicht schnell genug geht und sie statt des oft kirchlicherseits formulierten „Schmerzes der Spaltung" viel eher Zorn empfänden, beschrieb zum Ende der Diskussion ein Teilnehmer, der sich als „alter Ökumene-Kämpfer" sieht. Er fragte:  „Warum wird das Trennende gesucht? “  Dass es bei der Eucharistie keine kirchentrennenden Gegensätze mehr gebe, ist übrigens ein Zitat aus einem Gutachten des Päpstlichen Einheitsrates - von 1993.