Johannes Jacobs aus Münster: Hilfesuchende und Helfer finden per Zettel zusammen

Theologie-Student entwickelt bundesweite Nachbarschaftshilfe

Bei einem digitalen „Hackathon“ kann auch eine analoge Nachbarschaftshilfe entstehen: „It’s help“ – auf Deutsch „Es ist Hilfe“ – heißt das Projekt, das Johannes Jacobs mit entwickelt hat. Der 24-Jährige aus Kleve-Materborn am Niederrhein studiert katholische Theologie in Münster.

Die Projekt-Idee entstand beim Hackathon „#wirvsvirus“, also: „Wir gegen das Virus“, zu dem die Bundesregierung aufgerufen hatte. Bei einem „Hackathon“ werden gewöhnlich digitale Lösungen für Probleme entwickelt, zum Beispiel Computer-Programme oder Apps. Viele der 20.000 Angemeldeten nutzten diesmal aber die Gelegenheit, gemeinsam soziale Projekte in der Corona-Krise zu entwickeln.

Zettel mit zwei Möglichkeiten

Neun Menschen, darunter Johannes Jacobs, fanden sich in Video-Konferenzen zusammen und erdachten „It’s help“. Zentrales Mittel der Aktion ist ein Zettel, den Menschen ins Fenster und an den Briefkasten hängen können. Je nach dem, wie der Zettel angebracht wird, ist entweder „Ich benötige Hilfe“ oder „Ich kann helfen“ zu lesen.

„Wir haben uns gefragt: Wie schaffen wir es, die Helfer, die meist digital organisiert sind, und die Hilfesuchenden, die oft kein Internet haben, zusammenzubringen?“, beschreibt Jacobs. Die Lösung: ein einfacher Zettel zum Aufhängen, den jeder ausdrucken oder von Verwandten und Nachbarn ausdrucken lassen kann. Und den man in der gesamten Nachbarschaft verteilen kann.

„Mit offenen Augen durch die Straßen“

Zettel am Briefkasten
Die Aktion und ihre Materialien unter itshelp.info.

Auf dem Zettel geben Hilfesuchende an, was sie brauchen, und Helfer, was sie übernehmen können. Fehlen noch Name und Telefonnummer – schon kann die Hilfe starten. „Wir möchten, dass Menschen aufeinander achten, sich unterstützen und mit offenen Augen durch die Straßen gehen“, sagt Jacobs. Mit Augen, die die Zettel von „It’s help“ entdecken. „Die Aktion soll auch ein Signal an einsame Menschen sein, dass sie sich melden können und gesehen werden.“

Jacobs stammt aus Kleve-Materborn und wuchs klassisch-katholisch auf: Erstkommunion, Messdiener, Pfadfinder. Ein atheistischer Schulfreund fragte ihn irgendwann, woran und warum er denn glaube. „Ich habe versucht, ihm diese Fragen zu beantworten, und gemerkt: Da will ich selber mehr erfahren“, erzählt er.

Aktion soll auch nach Corona weitergehen

Also begann er ein Theologiestudium in Münster, noch ohne festes Berufsziel. „Priester ist auch noch eine Option.“ Er habe im Studium den Glauben tiefer erfasst, sagt Jacobs. Zwar sagen ihm nicht alle Facetten der kirchlichen Praxis zu, wohl aber der Ursprung und Kern des Glaubens: „Einfach Wahnsinn!“ Das Christsein leitet ihn und trägt dazu bei, dass Jacobs sich sozial engagiert – zum Beispiel für die Idee „It’s help“.

Die Initiatoren hoffen, dass die Aktion auch nach der Corona-Zeit weitergeht. Dann können sie sich zum Beispiel Aufkleber für die Briefkästen statt der aktuellen Zettel vorstellen: „Das wäre wetterfester“, sagt Jacobs. Dafür bräuchte es allerdings eine andere Finanzierung als bei den aktuellen Zetteln zum Selbstausdrucken.