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Charismatische Frömmigkeit gilt vielerorts als Königsweg für die Kirche. Warum eine Freiburger Professorin dieser Ansicht widerspricht.
Ursula Nothelle-Wildfeuer kritisiert ein verkürztes Verständnis von Lobpreis. „Wenn der christliche Glaube als emotionale Stimmung ohne inhaltliche und theologische Substanz vermittelt wird, birgt dies die große Gefahr der Indoktrination“, schreibt die Freiburger Theologin in einem Kommentar für die Zeitschrift „Herder Korrespondenz“.
Auslöser ihrer Kritik ist eine Stellenausschreibung des Erzbischöflichen Generalvikariats Köln. Es hatte kürzlich einen „Mitarbeiter/in (m/w/d) für Gemeindegründung mit Schwerpunkt Lobpreis“ gesucht.
Lobpreis - die einfache Antwort?
Für Nothelle-Wildfeuer offenbart die Formulierung, dass Lobpreis nicht als Ergebnis einer Gotteserfahrung aufgefasst werde, sondern als „Mittel zum Zweck der Evangelisierung sowie der Gemeindegründung“.
Ähnlich wie in der evangelikalen Worship-Musik vertausche man dabei Verkündigung mit populistisch anmutenden Antworten: „Wo komplexe Glaubenswahrheiten, existenzielle Spannungen und ethische Zumutungen in eingängige Schlagworte aufgelöst werden, ersetzt Emotion das Urteil“, so die Theologin.
Papst als Anregung
Zudem verweist Nothelle-Wildfeuer auf Papst Leo XIV., der in seinem ersten Schreiben „Dilexi te“ an die gesellschaftliche Dimension des Reiches Gottes erinnert hatte. Das Evangelium erschöpfe sich deshalb nicht in einer individuellen Gottesbeziehung. In diesem Sinn fragt die Theologin: „Muss folglich nicht Evangelisierung und auch christliche Gemeinde genau diese Dimension in die Mitte der Verkündigung stellen?“
Nothelle-Wildfeuer unterrichtet seit 2003 Christliche Gesellschaftslehre an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg. Daneben ist sie Dozentin am Studienhaus St. Lambert, einem überdiözesanen Seminar zur Priesterausbildung. Gemeinsam mit dem Fundamentaltheologen Magnus Striet gab Nothelle-Wildfeuer 2018 einen Sammelband zur Kritik am charismatischen „Mission Manifest“ heraus.