Ein Blick auf die Erstsemesterzahlen

Theologiestudium im Bistum Münster weniger gefragt

Wie sehen die Grundlagen des christlichen Glaubens aus? Wie kam es zur Entstehung der Bibeltexte? Wie sehen die Voraussetzungen, Chancen oder Grenzen des religiösen Lernens in der Familie, Schule oder Gemeinde aus? Wer sich diese Fragen stellt, ist in einem Studium der Theologie gut aufgehoben. Doch immer weniger junge Menschen fragen nach dem Kontext von Religion und Gesellschaft. Nur 280 Studenten haben sich an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) für ein Studium der katholischen Theologie entschieden.

Betreuung ist sehr gut

2010/2011 lag die Zahl noch bei 521 Erstsemestern: „Wir merken im Ganzen betrachtet, dass die kirchlichen Erosions-Prozesse nicht spurlos an uns vorübergehen“, sagt Judith Könemann, Dekanin der Katholisch-Theologischen Fakultät an der WWU. Der große Einbruch liege bereits länger zurück, seit einigen Jahren blieben die Erstsemesterzahlen mit um die 300 stabil. Da das Studium zulassungsfrei ist, kommt es auch vor, dass sich Studenten einschreiben, weil sie auf einen Platz in einem anderen Fach warten, oder einfach kostengünstig das Semsterticket nutzen: „Das können wir nicht verhindern“, sagt die Professorin.

Die Daten können noch schwanken; die Zahl derer, die sich jetzt für Thelogie im Vollstudium eingeschrieben haben, liegt zwischen 30 bis 40. „Das ist nicht mit Jura oder den Wirtschaftswissenschaften vergleichbar, Theologie ist ein Studiengang für den man sich entscheidet“, sagt Könemann.

Angehende Lehrerin sieht Religionsunterricht als Herausforderung

Eine derjenigen, die sich entschieden hat, ist Teresa Opgen-Rhein aus Münster. Die 19-Jährige studiert Deutsch und Mathematik auf Grundschullehramt im ersten Semester. Sie ist Messdienerin gewesen und ihre Familie christlich geprägt. Das machte ihr die Entscheidung einfach, Religion als drittes Fach dazuzunehmen: „Vielen Schülern sind vielleicht nur noch Osterhase und Weihnachtsmann ein Begriff, aber ich verstehe es als Herausforderung mit den Schülern über den Tellerrand zu blicken und ihnen aufzuzeigen, was der Glaub noch so bietet“, berschreibt sie ihre Motivation für das Exoten-Fach.

Die geringe Zahl an Studenten hat für die aktuellen Erstsemester durchaus Vorteile: „Wir bekommen eine intensive Betreuung.“ Es sei schon ein Unterschied, „ob wir mit 20 Leuten da sitzen oder mit 70“, sagt Teresa Opgen-Rhein.

Keine Erstsemester an Philosophisch-Theologischen Hochschule

In der Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster in Trägerschaft der Deutschen Kapuzinerprovinz (PTH) liegt die Zahl bei Null: „Junge Erstsemester haben wir leider nicht, das ist ja unser großes Problem, wie es auch an anderen theologischen Hochschulen der Fall ist“, berichtet Gerhard Hotze, Professor für Neutestamentliche Bibelwissenschaft an der PTH.

Die Hochschule in der Harenbergschen Villa am Hohenzollerring investierte in Werbung, profilierte sich im neuen Institut „Iunctus - Kompetenzzentrum für Christliche Spiritualität“ und steht der Öffentlichkeit mit verschiedenen Veranstaltungen offen, zum Beispiel mit einer wöchentlichen Abendvorlesung: „Es zeigen sich erste Erfolge“, so Studiendekan Hotze: Fünf Quereinsteiger, die Religionspädagogen sind, haben sich für den Theologie-Master akkredtiert.

62 Studierende sind an der PTH eingeschrieben. Eine erste Kooperation mit der Fachhochschule Bochum lief im Sommer erfolgreich an. Auf lange Sicht werde eine mögliche Zusammenlegung zu einer neuen „PTH der Orden“ ausgelotet.

Immerhin: Acht neue Priesteramtsanwärter

Im Oldenburger Münsterland an der Universität Vechta ziehen zumindest die Zahlen der Lehramtsstudenten mit den Fächerkombinationen Deutsch, Englisch, Mathe und Religion an. Während im vergangenen Winter noch 198 Studenten akkreditiert waren, sind es in diesem Jahr 258. Die Zahl der Studenten, die Religionslehrer werden, wenn sie den Masterstudiengang abschließen, liegt bei 32 im ersten Fachsemester, im Jahr davor waren es 24.

Und wie sieht es bei den Priesteramtskandidaten aus? Regens Hartmut Niehues vom Bischöflichen Priesterseminar Borromaeum meldet acht Neuanfänger, davon stammen sechs aus Münster. „Gott spricht diese junge Menschen an. Wir werden sehen, was daraus wächst, auch wenn es nur so wenige sind.“