„Es traut sich nur keiner, offen darüber zu reden“

Theologin Rahner: Katholische Kirche ist längst gespalten

Die Tübinger Theologin Johanna Rahner hält die katholische Kircher für gespalten. „Wir stehen nicht vor einer Spaltung, wir haben sie bereits, nur traut sich keiner, offen darüber zu reden“, sagte die Dogmatikprofessorin bei einer Diskussion in München. Ihr fehle die Fantasie, wie ein Gespräch zwischen Reformern und Bewahrern in Gang kommen könnte. In der Kirche spiegle sich die gesellschaftliche Entwicklung: „Jeder lebt in seiner Blase.“

Der im 19. Jahrhundert wurzelnde prinzipielle Gegensatz von Katholizismus und Moderne müsse „einkassiert“ werden, so die Theologin. Die Kirche müsse dazu von ihrer Ideologie Abschied nehmen, eine übergeschichtliche Größe zu sein. Alles, was in ihr existiere, sei geworden und könne damit auch anders werden. Geschichte und Tradition enthielten ein großes Innovationspotenzial.

Hubert Wolf: Auch Gruppen außerhalb des ZdK einbinden

Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf von der Universität Münster forderte die deutschen Bischöfe auf, sich einer Diskussion um die Zölibatspflicht für Priester zu stellen. Am vereinbarten „synodalen Weg“ müssten die Gläubigen stärker beteiligt werden, „auch Gruppen, die sich durch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken nicht repräsentiert sehen“, sagte er. Zugleich warnte er vor der Wiederholung eines folgenlosen Gesprächs.

Der im schweizerischen Fribourg lehrende Moraltheologe Daniel Bogner sagte, die katholische Kirche brauche eine neue Verfassung. Sie müsse die Errungenschaften des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates adaptieren, insbesondere Gewaltenteilung, Grundrechte für alle Mitglieder und Kontrollinstanzen. Er hoffe darauf, dass sich eine Handvoll reformbereiter Bischöfe zusammentue, einen Entwurf mache und dann weltweit dafür werbe.