Begründerin der theologischen Frauenforschung

Theologin und Frauenforscherin Elisabeth Gössmann ist tot

Die katholische Theologin Elisabeth Gössmann, Begründerin der theologischen Frauenforschung, ist tot. Sie starb nach längerer Krankheit am 1. Mai im Alter von 90 Jahren in München, wie die Familie der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Donnerstag mitteilte.

Die 1928 in Osnabrück geborene Gössmann gehörte zu den ersten Frauen, die in den 1950er Jahren in Deutschland einen theologischen Doktortitel erwarben. Zur Tragik ihres Lebens zählt, sich 37 Mal vergeblich an deutschen Hochschulen auf einen Lehrstuhl beworben zu haben. Lange lehrte die Wissenschaftlerin und Mutter zweier Töchter deshalb an der Seishin-Frauenuniversität in Tokio.

Studium in Münster

Gössmann studierte Katholische Theologie, Philosophie und Germanistik in Münster und bestand 1952 ihr Staatsexamen. In München promovierte sie 1954 gleichzeitig mit Joseph Ratzinger. 1955 zog sie nach Tokio. 1978 habilitierte sie sich mit einer Anzahl ihrer Arbeiten im Fach Philosophie. Ab 1986 folgten Lehraufträge in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Erst 1990 konnte Gössmann eine außerplanmäßige Professur in München antreten.

Die Wissenschaftlerin forschte über das Christentum in Japan, über das Mittelalter und zu fundamentaltheologischen Fragestellungen. Im Mittelpunkt stand dabei stets die Frage nach der Stellung der Frau im Christentum. Gössmann erhielt mehrere Ehrendoktorwürden, so von den Universitäten Graz, Frankfurt und Bamberg, zuletzt 2017 von der Theologischen Fakultät der Universität Osnabrück. 1997 wurde sie mit dem Herbert-Haag-Preis für Freiheit in der Kirche ausgezeichnet.

Forderung nach Änderung des Kirchenrechts

Zu ihren bekannten Werken gehören „Die streitbaren Schwestern“ (1981) und „Die Päpstin Johanna. Der Skandal eines weiblichen Papstes“ (1994). Ihre Erinnerungen veröffentlichte sie unter dem Titel „Geburtsfehler: weiblich“. Kritisch beurteilte die Wissenschaftlerin stets das Argument, dass Frauen aus Gründen der Tradition nicht zu Priestern geweiht werden könnten. Die Tradition, auf die man sich berufe, sei nur ein „Teil der Tradition“, betonte sie. Ihre Forderung lautete, die gesamte Tradition aufzuarbeiten.

Zugleich plädierte Gössmann dafür, das Kirchenrecht zu ändern. Darin sollte nicht vom „Vir baptizatus“ (getauften Mann) gesprochen werden, sondern vom „homo baptizatus“ (getauften Menschen). Diesen Vorschlag habe es schon beim Zweiten Vatikanischen Konzil gegeben, er sei aber nicht behandelt worden, bedauerte sie.