Entertainer besucht katholische Journalistenschule

Thomas Gottschalk über Gott, Glauben und Papst Franziskus

Als Beispiel für eine „geglückte Journalistenkarriere“ sieht sich Thomas Gottschalk wirklich nicht. „Mir ist jeder Kommentar zur Glosse geraten“, erinnerte sich der Entertainer. Er habe halt von Anfang an „dieses Unterhaltungsgen“ in sich gehabt. Aber der 67-Jährige ist der wohl schillerndste Absolvent des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp), der Journalistenschule der deutschen katholischen Kirche. Zum 50-jährigen Bestehen der Einrichtung waren Gottschalk und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, nach München gekommen.

Zum Auftakt gab es nachdenkliche Töne des Kardinals zur öffentlichen Kommunikation. Wenn der Punkt erreicht sei, dass die Menschen einander nicht mehr verstünden, „dann ist die Demokratie in Gefahr“. Deshalb solle das ifp dranbleiben an Herausforderungen wie der Digitalisierung. Den Journalisten legte Marx ans Herz, „echte Neugierde darauf zu haben, wie es wirklich gewesen ist“. Dazu solle die Lust kommen, Menschen zu begegnen.

„Kirche sollte dankbar sein für Kritik“

Als Gottschalk 1974 zum ifp kam, Gründungsdirektor Wolfgang Seibel traf und in ihm einen offenen Kirchenmann erlebte, habe er gewusst, richtig zu sein. Der inzwischen 89-jährige Jesuit saß in der ersten Reihe und bekam von allen Gästen den längsten Applaus. Der einstige Schüler griff zum Mikrofon und interviewte ihn. „Bin ich der einzige, der daneben ging?“, wollte er wissen. „Ich würde nicht sagen der einzige“, konterte sein Gegenüber, um zugleich das „danebengehen“ positiv zu relativieren.

Seibel sagte, mit ifp-Absolventen, die später kritisch mit der Institution Kirche umgingen, habe er kein Problem. Überdies habe das Zweite Vatikanische Konzil die Kirche aufgefordert, sich um „Reinigung, Buße und Erneuerung“ zu bemühen. Deshalb sollten Kirchenleute dankbar sein für Kritik. Dann könnten sie beweisen, wie ernst es ihnen mit dem Willen zu Selbstkritik und Reform sei. Marx widersprach nicht.

Gottschalk vom Papst begeistert

Um Gott und Glauben ging es dann auch noch. Gottschalk verlässt sich in solchen Gesprächen auf seine katholische Grundierung: Aufgewachsen mit einer Tante als Ordensschwester und einem Onkel als Pfarrer, habe er einen moralischen Kompass und Menschen erlebt, zu denen er habe aufschauen können. „Ich kann zweifeln, aber das Fundament wackelt noch nicht“, betonte er. Mit „Fest soll mein Taufbund immer stehen“ zitierte er ein bekanntes Kirchenlied.

Begeistern kann sich der Entertainer für Papst Franziskus. „Da fällt ein Polizist um, und er springt vom Wagen und hilft ihm. Das hätte früher nicht einmal jemand zu inszenieren gewagt.“ Er wünsche sich sehr, dass das Denken dieses Papstes sich durchsetze: „Wir kommen mit ihm den Leuten langsam näher, aber es ist verflucht spät.“