Essener zeichnet auch für „Kirche-und-Leben.de“

Thomas Plaßmann legt Buch mit Karikaturen zur Kirche vor

Mit gewinnendem Lächeln reicht der Pfarrer den Werkzeugkasten weiter. „Sollte nicht jeder sein Charisma in den Dienst der Kirche stellen?“, flötet er. Der Mann gegenüber verdreht die Augen: „Schon wieder was mit der Heizung?“

Eine Szene, die der Essener Karikaturist Thomas Plaßmann, der auch für „Kirche+Leben“ und „Kirche-und-Leben.de“ zeichnet, in seinem zweiten Buch mit kirchlichen Karikaturen aufspießt. „Woran glaubst du denn so?“ ist der Nachfolgeband des Erstlings zum Thema Kirche und Glaube mit dem Titel „Das glaub ich jetzt nicht“.

Durchgängig wohlwollend

Plaßmann, der für Tageszeitungen wie die „Frankfurter Rundschau“ und die „Neue Ruhr-Zeitung“ auch Politisches karikiert, zeichnet immer wieder zu kirchlichen und Glaubensthemen – und das durchgängig wohlwollend. Dabei überzeichnet er vor allem die Nöte der Pfarreien und im persönlichen Glaubensleben.

Thomas Plaßmann. | Foto: privat
Thomas Plaßmann. | Foto: privat

Da ist der Pfarrer, der vor ziemlich leeren Kirchenbänken jene Gottesdienstbesucher begrüßt, die sich „trotz allem hier versammelt haben“. Oder der Mann im Beichtstuhl, der einen neuen Weg vorschlägt: „Ich maile Ihnen meine Verfehlungen und Sie twittern die Absolution.“ Oder die Ehe-Willigen, die den Pfarrer herunterhandeln wollen. Der betont das „...bis das der Tod euch scheidet“ der Eheformel. Erschrocken entgegnet der künftige Gatte, einigen könne man sich doch auf „...bis dass die Luft raus ist“.

Manchmal stichelt er

Plaßmann zeichnet detailreich, transportiert seine Botschaft aber meist in den Sprechblasen der abgebildeten Menschen. So auch in der Szene, wo der Hubschrauber des Pfarrers vor der Kirche landet und eine Frau zu ihrem Mann sagt: „Seit noch fünf Gemeinden dazu gekommen sind ...“

Thomas Plaßmann: „Woran glaubst du denn so? Cartoons von oben“. 96 Seiten, gebunden, 12,90 Euro. Camino-Buch im Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-96157-018-8

Zudem ist der Karikaturist ein pointierter Beobachter der zunehmenden Säkularisierung. Die Teilnehmer eines Martinszuges lässt er von „Herrn Martin“ statt „Sankt Martin“ singen. Und ein Kind, das im Religionsunterricht ein Bild zu Christi Himmelfahrt zeichnen soll, malt eine Gruppe Väter mit Bollerwagen und Bier.

Viel zu lesen gibt es naturgemäß nicht in dem Buch, viel zu schmunzeln schon. Allerdings eher nicht für traditionalistische Katholiken. Denn wenn Plaßmann in einzelnen Karikaturen einmal bewusst gegen die Kirche stichelt, dann dort, wo sie sich unbeweglich und vorgestrig gibt.