FINANZEN

Geld gut anlegen: Die Investment-Tipps Jesu für die Kirche heute

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Wie ist eine moderne Geldanlage im Sinne Jesu möglich? Dabei gibt es Prinzipien, die nicht verhandelbar sein sollten, meint Thomas Söding.

Jesus war arm – aber mit Geld konnte er umgehen. Vor allem hat er sich nicht zum Sklaven des Geldes gemacht: Die Warnung vor dem „Mammon“ ist sprichwörtlich geworden (Mt 6,24; Lk 16,13). Geld zu vergöttern, ist dumm. Ein Beispiel liefert der Bauer, dessen Gedanken nach einer reichen Ernte nur um sich und seinen Besitz kreisen (Lk 12,16-20). Seine Scheunen will er niederreißen und neue bauen: größer und schöner. Sein Korn will er dort lagern. Er freut sich, dass er lange Zeit nicht mehr arbeiten muss; er will sich ganz aufs gute Essen und Trinken konzentrieren. Aber er hat sich verkalkuliert: „Du Narr, noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann alles gehören, das du angehäuft hast?“

Die Fehler eines falschen Investments

Der Autor
Thomas Söding ist Professor für die Exegese des Neues Testaments an der Ruhr-Universität Bochum. Als Berater der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz und Vizepräsident des Synodalen Wegs engagiert er sich für Reformen in der katholischen Kirche. Er lebt in Münster.

Die Pfeile der Kritik richten sich weder gegen die Land- noch gegen die Bauwirtschaft. Für ehrliche Arbeit und gute Handwerkskunst hatte Jesus sehr viel übrig. Beides hat er von der Pike auf gelernt. Beides empfiehlt er auch denen, die ihm nachfolgen – selbst wenn sie den Beruf wechseln und Menschenfischer des Gottesvolkes werden sollen, Säleute des Gotteswortes und Bauleute des Gotteshauses.

Die Kritik richtet sich auf ein falsches Investment, das zwei entscheidende Fehler macht: den Faktor Zeit und den Faktor Mensch zu unterschätzen. Der Faktor Zeit: Das Geldsystem ist höchst krisenanfällig; nur wer sich ihm nicht mit Haut und Haar verschreibt, kann gut wirtschaften. Der Faktor Mensch: Der Mensch ist nicht um des Geldes, das Geld ist um des Menschen willen da – und zwar nicht nur zugunsten des eigenen Egos, sondern zugunsten der Anderen, in erster Linie der Armen, die nicht auf milde Gaben angewiesen bleiben, sondern Hilfe zur Selbsthilfe erhalten sollen.

Solidarität hat Priorität

Die Gottesperspektive Jesu klärt beides: Zeit ist Geld, und jeder Mensch ist unbezahlbar (Mk 8,35). Die Zeit ist endlich, soll also genutzt werden, damit aus begrenzten Möglichkeiten das Beste gemacht wird: nach dem Gebot, den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Geld ist dazu da, Menschlichkeit zu finanzieren, also eine gute Produktion aufzubauen, eine soziale Praxis zu unterstützen und eine wertvolle Kultur zu fördern, die den Horizont erweitert.

Für die Kirche werden gute Geldanlagen immer wichtiger. Die Mitgliedszahlen sinken, noch steigt die Steuer – aber nicht mehr lange. Transparenz nach innen und Rechenschaft nach außen sind gefragt. Solidarität hat Priorität. Die härteste Währung ist Vertrauen.

In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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