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Nach seiner Emeritierung war der Neutestamentler drei Jahre Seniorprofessor in Bochum. Welche Rolle er dem Fach in der Gesellschaft zuweist.
Der Münsteraner Theologe Thomas Söding sieht die heutige Aufgabe seiner Disziplin vor allem darin, die Gesellschaft kritisch zu begleiten. Sie müsse die „Zeichen der Zeit“ erkennen und angesichts einer sich verändernden Welt den Austausch mit anderen Wissenschaften suchen, sagte er am Mittwoch, 8. Juli, in einem Vortrag im Rahmen eines Studientags an der Ruhr-Universität Bochum. Nach drei Jahren scheidet der Neutestamentler als Seniorprofessor an der dortigen Katholisch-Theologischen Fakultät aus.
Theologie dürfe sich nicht auf innerkirchliche Fragen beschränken, so Söding. Sie müsse Machtansprüche hinterfragen und den Blick auf die Menschenwürde lenken. „Kein Mensch, kein Staat, keine Gesellschaft, auch keine noch so heilige Institution hat eine Definitionshoheit über Gott und damit über die Welt und den Menschen“, sagte der Neutestamentler.
Kritik an Ideologien
Gerade angesichts drängender Probleme wie dem Klimawandel oder technologischen Umbrüchen könne die Theologie einen eigenen Beitrag leisten. Sie solle nicht politische Lösungen ersetzen, sondern ethische Maßstäbe zur Diskussion stellen, so Söding. „Der Mensch trägt einen Namen – seinen eigenen. Er ist zur Freiheit berufen und zur Freiheit befreit.“
Zudem sieht Söding einen wichtigen Auftrag in der Befassung mit Ideologien, die „Gott aus dem Spiel nehmen oder als Sachwalter des Eigenen vereinnahmen wollen“. Theologie müsse deshalb mit Religions- und Ideologiekritik zusammenarbeiten, um „säkulare Formen der Götterverehrung“ zu kritisieren.
Nicht zuletzt trage die Theologie Verantwortung für die Demokratie, sagte Söding. Sie müsse die Trennung von Politik und Religion wahren, zugleich aber religiöse Sichtweisen in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen. Weder eine Anpassung des Glaubens noch Fundamentalismus seien gefragt. Vielmehr brauche es „theologische Zurüstung“, die den Wahrheitsanspruch des Evangeliums widerspiegele und seine Freiheitsbotschaft verständlich mache.