Bischöfe zum Tag der deutschen Einheit

Timmerevers: „Menschen suchen Schutz in Europa“

Mit einem Gottesdienst in der Dresdner Frauenkirche haben am Montag (03.10.2016) die zentralen Feiern zum „Tag der Deutschen Einheit“ begonnen. Vor Spitzenvertretern aus Politik und Gesellschaft riefen die sächsischen Bischöfe Heinrich Timmerevers und Carsten Rentzing dazu auf, sich auch 26 Jahre nach der Wiedervereinigung weiter für Frieden und Gerechtigkeit zu engagieren sowie allen Menschen in Not beizustehen.

An der ökumenischen Feier nahmen neben Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch Bundesratspräsident Stanislaw Tillich (CDU) sowie zahlreiche Länderchefs und Minister teil.

„Leben in Freiheit ein Geschenk“

Timmerevers würdigte die Wiedervereinigung als „atemberaubendes Ereignis“. Der katholische Bischof fügte hinzu: „Dass die Sehnsucht nach Freiheit sich ohne Blutvergießen eine Bahn brechen konnte, ist ein solches Geschenk, das wir als gläubige Menschen bei all unserem Mühen als Gabe Gottes sehen dürfen.“

Der Bischof des Bistums Dresden-Meißen nannte das Leben in Freiheit „ein großes Geschenk“. Er erinnerte daran, dass 70 Prozent aller Menschen in Staaten lebten, in denen die Religionsfreiheit „großen Bedrängnissen“ unterworfen sei. „Vielleicht suchen auch deswegen so viele Menschen Schutz und Geborgenheit in Europa“, so Timmerevers. Vor allem Christen seien herausgefordert, „helfend und heilend sich dem Menschen zuzuwenden, der in Not ist“.

Was können wir zum Frieden beitragen?

Auch Rentzing betonte, der Friede sei „keine Selbstverständlichkeit“ und „mehr als die Abwesenheit von Krieg“. Zu einem wahren Frieden gehörten auch Gerechtigkeit und Freiheit, betonte Sachsens evangelisch-lutherischer Landesbischof. Er mahnte, sich vor allem am Nationalfeiertag „selbstkritisch zu fragen, was wir zum Frieden beitragen, wenn Menschen beleidigt und ausgegrenzt werden“.

Frauenkirchen-Pfarrer Sebastian Feydt hatte zuvor daran erinnert, dass die friedliche Revolution in der DDR und die Wiedervereinigung für viele „Erfahrungen von Verlust und Zukunftsangst“ mit sich gebracht hätten. Dies führe auch zu Aggression und Gewalt, so Feydt mit Hinweis auf die Sprengstoffanschläge vor einer Woche auf eine Moschee und ein Kongresszentrum in Dresden.