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Rom-Wallfahrt: Chefredakteur gibt sieben Tipps abseits der Touri-Highlights

Interesse an Tipps abseits der normalen Touristenströme in der Ewigen Stadt? Markus Nolte hat sieben Vorschläge für Sie.

Wer zum ersten Mal in Rom ist, kommt natürlich um die großen Papstbasiliken, Kolosseum, Forum Romanum und so fort nicht herum. Anders sieht es aus, wenn es darüber hinaus nicht ganz so bekannte, aber unbedingt beeindruckende Orte sein dürfen.

Kirche+Leben-Chefredakteur Markus Nolte hat nicht nur in Rom studiert, er hat schon viele Gruppen in die Ewige Stadt begleitet – nicht zuletzt mit einem besonderen Programm für Romreisende, die Rom schon kennen. Ob für die Teilnehmenden der Wallfahrt des Bistums Münster im Heiligen Jahr 2025 oder für private Besucher: Hier kommen seine Tipps zu sieben ganz besonderen Orten mit geistlicher Strahlkraft.

1. Venedigs Zauber in Rom

Drumherum gelaufen ist wohl schon jeder Rombesucher – denn viele Wege führen zur oder über die chaotische Piazza Venezia am Kapitolshügel. Doch innerhalb des dortigen Palazzo Venezia gibt es eine Kirche, die natürlich San Marco heißt. Sie erinnert einerseits an das Grab des Evangelisten in Venedig, aber auch an Papst Marcus, der sie im 4. Jahrhundert begründete. Im 9. Jahrhundert umgebaut und im 16. nochmals verändert, birgt dieser düster-mystische Raum eines der schönsten (aber kaum bekannten) Mosaike der Stadt, ebenfalls aus dem 9. Jahrhundert – mit einem Christus im dunklen Gewand als Zentrum. Inmitten allen Trubels ein anziehender Ort der Besinnung, erreichbar von der kleinen Piazza San Marco unmittelbar an den Bushaltestellen zur Rechten des römischen Nationaldenkmals.

2. Alte und neue Fresken

Trastevere ist für viele vor allem dies: Touristen-Hochburg und Gastro-Melting-Pot, bestenfalls noch die großartige Basilika Santa Maria in Trastevere. Ganz am Anfang der Via della Lungaretta liegt die Basilika San Crisogono, deren Ursprünge ins 3. Jahrhundert zurückreichen. Nicht nur, dass dort zwei gewaltige antike Porphyr-Säulen zu bestaunen sind – wer durch die Sakristei für einen kleinen Obolus Zugang zu den Ausgrabungen erhält, stößt auf spektakuläre Fresken des 8. bis 11. Jahrhunderts, darunter – halb unter Putz – eines der bekanntesten Porträts des heiligen Benedikt, der einen Aussätzigen heilt. Wieder zurück in der Gegenwart lassen direkt in der linken vorderen Seitenkapelle modernste Fresken unserer Zeit staunen – wobei über Geschmack trefflich zu streiten ist.

3. Entspannung auf dem Hügel

Es geht zwar steil hinauf zum Aventin, einem der sieben Hügel Roms, aber wenn man  oben angelangt ist, erwarten eine herrliche Unaufgeregtheit mit einem gewissen vornehmen Touch. Natürlich ist Santa Sabina, eine der ältesten Kirchen Roms, einen Besuch wert, mit ihrem spektakulären Holzportal und dem schlichten, weiten Innenraum. Gleich daneben aber liegt ein traumhafter Orangengarten, der einen spektakulären Blick auf die Stadt öffnet. Warum nicht mit etwas Vino, Parmiggiano und Proscuitto ausgestattet zum Picknick hierher kommen? Oder man feiert gregorianisch gesungenen Vesper in der nahen Abteikirche Sant‘ Anselmo mit – immer um 19.15 Uhr. Anschließend sei ein Besuch in einem der vielen Restaurants im angesagten Viertel Testaccio zu Füßen des Aventin empfohlen.

4. Katakombe und Rundkirche ohne Trubel

Mosaiken, Katakomben und traumschöne Rundkirchen (Panteon, Santo Stefano Rotondo) gibt es einige in Rom. Wer es ruhiger, aber nicht minder spektakulär haben will, dem sei Sant‘ Agnese fuori le mura empfohlen. Die Kirche liegt an der Via Nomentana, zwei Kilometer außerhalb der Aurelianischen Mauer. Der Besuch lohnt zum einen wegen der in die Zeit Kaiser Konstantins zurückgehenden Kirche samt einem wunderschönen Apsismosaik, zum anderen wegen ihrer mit zehn Kilometern Gängen zu den größten Anlagen dieser Art gehörenden Katakombe. Überwältigend ist zudem die Rundkirche Santa Costanza direkt neben Sant‘ Agnese – das Mausoleum für die Tochter Kaiser Konstantins, die wie viele andere möglichst nah am Grab der Märtyrin Agnes beigesetzt werden wollte.

5. Caravaggio-Pilgertour

Wer ein wenig Sinn für Kunst und Malerei hat, der muss eine Romwallfahrt mit einer Caravaggio-Pilgerreise verbinden. Keine andere Stadt der Welt ist derart gespickt mit Meisterwerken des berühmt-berüchtigten Barock-Stars – und das neben kostenpflichtigen Museen sogar kostenlos in diversen Kirchen. Bei einer Wallfahrt bietet sich vor allem seine „Pilgermadonna“ in der Kirche Sant‘ Agostino nahe dem Pantheon an: Wunderbar, wie dort die staubigen Pilgerfüße die Heiligkeit der Gottesmutter erden … Und wer aus Münster kommt, muss ein paar hundert Meter weiter gehen, um in Santa Maria del Popolo am gleichnamigen großen Platz vorn links in der Kapelle den Pferdesturz des Apostels Paulus von Caravaggio zu bestaunen. Was für eine aufregende und zugleich tiefgründige Szenerie! Gegenüber ist – wir sind in Rom – natürlich Petrus dargestellt, genauer: seine Kreuzigung.

6. Stararchitekt mit modernem Kirchbau

Wer angesichts von so viel Antike und historischer Kunst Lust auf etwas Modernes hat, dem sei ein Ausflug in eine der jüngsten und zugleich spektakulärsten Kirchen Roms empfohlen: Draußen, im Viertel Tor Tre Teste, baute der Weltstararchitekt Richard Meier die ganz in Weiß erstrahlende Kirche „Dio padre misericordioso“ (Barmherziger Gottvater) – ein Beitrag zum Projekt Papst Johannes Pauls II., für das Heilige Jahr 2000 insgesamt 50 neue Kirchen in Roms Stadtperipherie zu errichten. Der Bau ist zwar inzwischen etwas in die Jahre gekommen und das für Meyer typische Weiß strahlt nicht mehr ganz so hell, aber das Konzept dahinter und der Raumeindruck begeistern bis heute. Von Meyer stammt in Rom übrigens auch das Museum für den Ara-Pacis-Altar direkt am Tiber.

7. Drei Highlights im Forum Romanum

Das Forum Romanum ist zweifellos ein Muss in Rom. Und doch gibt es dort auch drei bemerkenswerte Kirchen, die oft übersehen werden. Zum einen in Nachbarschaft der Ruine der massigen Maxentius-Basilika die kleine, etwas düstere Kirche Santa Francesca Romana aus dem 12. Jahrhundert mit einem bezaubernden Marien-Mosaik in der Apsis. Dann die Basilika der heiligen Cosmas und Damian (erreichbar über die Prachtstraße der Fori imperiali) mit einem gewaltigen Apsismosaik über die Wiederkehr Christi, das zu den bedeutendsten christlichen Frühwerken in Rom gehört. Und schließlich sei die kleine Kirche Santa Maria Antiqua mitten im Forum Romanum (am Fuß des Palatin) aus dem 6. Jahrhundert mit ihren überwältigenden Fresken aus eben jener Zeit empfohlen – erreichbar allerdings nur mit Ticket fürs Forum.

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