TOP-THEMA ERSTKOMMUNION (3)

Was Kinder wie Erwachsene in der Erstkommunionvorbereitung lernen können

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Das Bonifatiuswerk in Paderborn engagiert sich seit langem in der Glaubensvermittlung. Generalsekretär Georg Austen über den Reichtum der Rituale.

Braucht es in einer zunehmend säkularen Gesellschaft das Sakrament der Eucharistie?

Mehr denn je! In einer Gesellschaft, in der religiöse Bindungen nicht mehr selbstverständlich sind, brauchen Kinder und Familien Orte, wo ihnen die Inhalte des christlichen Glaubens nahegebracht werden und sie eine konkrete Glaubensgemeinschaft erleben können. Die Erstkommunion ist ein solcher Ankerpunkt. Sie ist eine Einladung an die gesamte Familie, grundlegende Werte und sinnstiftende Rituale des Glaubens zu erfahren und für sich neu zu entdecken. Wir als Bonifatiuswerk wollen helfen, diesen Weg bewusst zu gestalten – nicht als Folklore oder sich alljährlich wiederholendes Event und schon gar nicht als Schlusspunkt des persönlichen Glaubensweges, sondern als Einladung zu einer lebendigen Beziehung zu Christus und zur Kirche.

„Ihr seid meine Freunde“ – so lautet das Leitwort der diesjährigen bundesweiten Erstkommunion-Aktion des Bonifatiuswerkes. Warum wurden ausgerechnet diese Worte aus dem Johannesevangelium ausgewählt?

Wenn Jesus sagt „Ihr seid meine Freunde“, dann sind diese Worte weit mehr als ein einfacher Ausdruck von Zuneigung. Er spricht Kindern wie Erwachsenen gleichermaßen Würde und Nähe zu. Freundschaft ist etwas sehr Vertrautes: Sie bedeutet Vertrauen, verlässliche Beziehungen, gemeinsam auf dem Weg zu sein – und auch Versöhnung.

Für Erstkommunionkinder ist das eine wunderbare Zusage: Jesus ist kein ferner Beobachter, sondern ein Begleiter, der immer an eurer Seite ist. In der Eucharistie, in der er selbst in den Gaben von Brot und Wein mitten unter uns ist, schenkt er sich selbst – das ist der tiefste Ausdruck von Freundschaft und gelebter Beziehung.

Das Bonifatiuswerk erstellt jedes Jahr Materialien für die Erstkommunion-Vorbereitung. Es wird bundesweit an etwa 10.000 katholische Kirchengemeinden verschickt. Warum ist Ihnen diese Unterstützung ein so großes Anliegen?

Die Erstkommunion ist für viele Kinder einer der ersten bewussten Schritte in ein eigenständiges Glaubensleben. Es ist ein Fest der Freude und der Wertschätzung junger Menschen. Deshalb liegt es uns sehr am Herzen, diesen Weg zu begleiten. Wir wollen die Katechetinnen und Katecheten und so auch die Familien darin unterstützen, mit den Kindern einen gemeinsamen Weg zu gehen. Gute Vorbereitung stärkt nicht nur Wissen, sondern Beziehung – die Beziehung zu Gott und zur Gemeinschaft der Kirche. Mit dem Material wollen wir Kinder in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen erreichen – in Großstädten ebenso wie in ländlichen Regionen, in lebendigen Pfarreien genauso wie in Gemeinden, in denen Christen eine kleine Minderheit sind. Uns geht es darum, überall eine verlässliche Grundlage für die Katechese zu bieten und gleichzeitig neue Impulse zu setzen. Kinder und Erwachsene sollen natürlich auch selbst auskunftsfähig sein über die Inhalte unseres Glaubens.

Was lernen Kinder bei der Erstkommunion-Vorbereitung fürs Leben?

Die Kinder erfahren nicht nur die Bedeutung der Eucharistiefeier, sie lernen auch, wie man Solidarität lebt. Der Empfang der ersten heiligen Kommunion ist eine Entscheidung, die Freundschaft Jesu anzunehmen, ihm zu vertrauen, aus seinen Worten Taten folgen zu lassen, in Nächstenliebe sowie Güte zu leben und zu handeln wie auch mit der Erfahrung von Schuld und Vergebung umzugehen.

In der Erstkommunion-Vorbereitung befassen sich Kinder damit, wie sie konkret helfen können: Mit ihren Gaben unterstützen sie Projekte für Kinder und Jugendliche in der Diaspora – etwa für katholische Kindergärten, Jugendeinrichtungen Religiöse Kinderwochen oder Glaubenskurse. So wird die Feier der Gemeinschaft mit Gott zur gelebten Gemeinschaft untereinander. Der Glaube bleibt nicht privat. Die Erstkommunion ist für sie eine Erweiterung des Horizontes, mit Fragen des Glaubens und des persönlichen Lebens umzugehen. Da steckt auch viel von dem Leitsatz drin, dem sich das Bonifatiuswerk verschrieben hat: Keiner soll alleine glauben.

Was können Erwachsene von Erstkommunionkindern lernen?

Kinder zeigen uns, was es heißt, unvoreingenommen zu sein. Kinder stellen Fragen, die uns manchmal herausfordern – und uns zugleich helfen, den Kern des Glaubens neu zu entdecken. Wenn ein Kind fragt: „Wie kann Jesus in diesem kleinen Stück Brot sein?“, dann steckt darin echtes – wenn auch kindliches – theologisches Interesse. Diese Offenheit tut auch uns Erwachsenen gut. Kinder können staunen, haben aber auch Fragen zu Leben und Tod, zu Krieg und Krankheit, zur Schöpfung. Und sie kommen manchmal auch mit eigenen gebrochenen Lebenserfahrungen – etwa dann, wenn die eigene Familie zerrüttet und zerbrochen ist.

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