Anzeige
Der heilige Franziskus starb vor 800 Jahren, an ihn wird aber nicht an seinem Todestag erinnert. Woran das liegt und wer eine Ausnahme macht.
Am ersten Oktober-Wochenende erwartet Assisi tausende Menschen anlässlich des 800. Todestags des heiligen Franziskus. Geboren wurde der populäre Schutzpatron der Tiere und der Umwelt vermutlich 1181 oder 1182; sein Tod ist für den 3. Oktober 1226 verbürgt. Dennoch wird der Gedenktag des Franz von Assisi erst am 4. Oktober begangen. Eine Verwechslung?
Die Gründe liegen eher in der mittelalterlichen liturgischen Zeitrechnung: Der Ordensgründer und radikale Prediger von Frieden und Armut, der am Ende seines rund 44-jährigen Lebens schon zahllose Anhänger hatte, starb an jenem Samstagabend "nach Sonnenuntergang". In der mittelalterlichen Kirche begann der liturgische Tag mit der Vesper am Vorabend. Franziskus' Tod in der Nacht zum 4. Oktober zählte daher schon zur Feier des Sonntags.
Heiligsprechung zwei Jahre nach seinem Tod
Der Leichnam des Schöpfers des "Sonnengesangs" wurde in einer Prozession von der Portiuncula-Kapelle in Assisis heutiger Unterstadt zur Kirche San Giorgio überführt. Die Franziskaner unterscheiden zwischen seinem "Transitus", dem "Heimgang", während der 4. Oktober sein liturgisches Fest ist. Seit 1230 befindet sich sein Grab in der Franziskus-Basilika in Assisis Oberstadt.
Bereits am 16. Juli 1228, knapp zwei Jahre nach seinem Tod, wurde Franziskus von Papst Gregor IX. heiliggesprochen. Seither ist der 4. Oktober als Franziskusfest belegt.
Ausnahme in der evangelischen Kirche
Es gibt allerdings Ausnahmen: Die Evangelische Kirche in Deutschland listet Franz von Assisi in ihrem "Namenkalender" unter dem 3. Oktober - mit Verweis auf seinen Todestag.
Für Italien, dessen Schutzpatron Franziskus ist, wurde der 4. Oktober erstmals seit 1977 wieder zum arbeitsfreien Feiertag erklärt. Allerdings kommt das erst 2027 zum Tragen, wenn das Fest auf einen Montag fällt.
Mehr als 100.000 Ordensleute weltweit
Sechs Frauen- und Männerorden berufen sich auf Franziskus, darunter Franziskaner, Kapuziner und Klarissen. In der aktuellen Päpstlichen Ordensstatistik der Männerorden rangieren die Franziskaner-Minderbrüder (OFM) auf Platz drei mit 11.468 Mitgliedern, gefolgt von den Kapuzinern (OFM Cap.) mit 9.685 Brüdern. Franziskaner-Konventuale (OFM Conv.) belegen den zehnten Platz mit 3.817 Brüdern. Franziskanische Frauenorden zählen weltweit laut Schätzungen bis zu 100.000 Mitglieder.