MONAT DER WELTMISSION (3)

Starke Mädchen, mutige Schwestern - Berufsausbildung im Bürgerkrieg

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Das Land Myanmar hat es in mehrfacher Hinsicht schwer getroffen. Und trotzdem kommt Aufgeben nicht infrage – auch dank deutscher Hilfe.

Im Rose-Virginie-Center der Schwestern vom Guten Hirten in Mandalay (Myanmar) erhalten junge Frauen eine berufliche Ausbildung. Viele kommen aus Bürgerkriegsregionen. Ihre Zukunft ist ungewiss. Für die Schwestern ist es eine herausfordernde Aufgabe, sie zu begleiten. Das schwere Erdbeben in Mandalay gefährdet jetzt alle Erfolge. Doch Aufgeben kommt nicht infrage.

Anna* (*Name geändert) hatte sich nach ihrer Ankunft in Mandalay lange einsam gefühlt. Sie verstand die Sprache ihrer Mitschülerinnen nicht und fand nur schwer Freundinnen. Doch für ihren Traum, Textildesignerin zu werden, verließ sie ihre Heimat.

Berufsausbildung für Mädchen

Die jungen Frauen im Rose-Virginie-Center kommen aus verschiedenen Regionen, sprechen unterschiedliche Sprachen. Die meisten stammen aus Bürgerkriegsregionen mit wenig Bildungsmöglichkeiten. „Wir wollten eine Berufsausbildung für Mädchen aus benachteiligten Gemeinschaften schaffen“, sagt Schwester Regina Htoo Htoo, die mithalf, das Zentrum 2016 zu gründen.

„Jedes Jahr nehmen wir 50 junge Frauen für eine Ausbildung zur Schneiderin, Friseurin oder Kosmetikerin auf“, erklärt Schwester Regina, die die Mädchen psychologisch begleitet. Viele der jungen Frauen tragen Erfahrungen von Gewalt, Flucht oder Verlust mit sich. Manche haben kaum Kontakt zu ihrer Familie, weil diese in Flüchtlingscamps ohne Handyempfang leben. Schwester Regina hilft ihnen, mit Trennung und Unsicherheit umzugehen.

Schneiderinnenkurs als Perspektive

Anna besucht den Schneiderinnenkurs. „Ich liebe es zu nähen“, sagt die 17-Jährige. Besonders interessiert sie sich für „Longhis“, traditionelle Kleidungsstücke aus Baumwolle oder Seide. Mittlerweile hat sie viele Freundinnen gefunden. „Als ich krank war, kümmerten sich alle um mich, wie eine Familie“, erzählt sie. Anna träumt davon, Designerin für traditionelle Kleidung zu werden und ein eigenes Geschäft zu eröffnen.

Ob Anna und die anderen ihre Ausbildung abschließen können, ist ungewiss. Seit Februar 2024 können auch Frauen zwischen 18 und 27 Jahren für den Militärdienst eingezogen werden. Viele Mädchen im Zentrum waren schockiert. „Die Hälfte wusste nicht, ob sie bleiben oder zurück in ihre Heimat gehen sollte“, berichtet Schwester Regina. „Wir ermutigten sie, mit den Eltern zu sprechen und auf ihr Herz zu hören. 35 entschieden sich zu bleiben.“

Erdbeben beschädigte Ausbildungszentrum

Der Sonntag der Weltmission in 101 Worten
Die Kollekte zum Sonntag der Weltmission ist die größte globale Solidaritätsaktion der Katholiken. Gläubige in mehr als 100 Ländern spenden dann für die Arbeit der etwa 1.100 ärmsten Diözesen der Kirche in Afrika, Asien und Ozeanien. Diese Diözesen finanzieren daraus ihre Ausbildung, Seelsorge und Infrastruktur mit. Der Sonntag der Weltmission findet weltweit am vorletzten, in Deutschland am vierten Sonntag im Oktober statt und wird von den Päpstlichen Missionswerken in über 100 Ländern ausgerichtet. In Deutschland organisieren die Internationalen Katholischen Missionswerke Missio Aachen und München den Sonntag der Weltmission. In diesem Jahr findet die Kollekte zum Weltmissionssonntag am 26. Oktober 2025 statt.

In dieser Unsicherheit ist es schwer, eine Lernatmosphäre zu schaffen, weiß Schwester Regina. „Wir schaffen Momente der Stille, in denen wir einander zuhören und wissen, was wirklich in uns vorgeht“, erzählt sie. „Wir teilen unsere Energie und unterstützen uns gegenseitig.“ So gelingt es den Schülerinnen und Lehrerinnen besser, im Alltag zu bestehen.

Das Erdbeben Ende März in Myanmar traf Mandalay besonders hart. Niemand im Zentrum wurde verletzt, doch das Gebäude erlitt Schäden. Deshalb zogen die Schwestern und Mädchen in eine Notunterkunft außerhalb der Stadt. Gemeinsam verteilten sie Wasser und Lebensmittel an Bedürftige – unterstützt durch Missio. Für sie ist klar: Die Ausbildung im Zentrum wird eines Tages weitergehen. Aufgeben kommt nicht infrage.

Verheerendes Erdbeben in Myanmar
Am 28. März 2025 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,7 Myanmar. Besonders betroffen waren die Regionen Mandalay, Sagaing, Magway und der Shan-Staat. Gebäude stürzten ein, Straßen rissen auf. Mehr als 3.700 Menschen starben, Tausende Menschen wurden verletzt und verloren ihr Zuhause. Viele sind seither obdachlos.
Das Erdbeben trifft ein Land, das seit dem Militärputsch 2021 unter Gewalt und Unsicherheit leidet. Schon vor dem Beben waren aufgrund des Bürgerkrieges drei Millionen Menschen im Land auf der Flucht. Trotzdem ließ die Militärjunta in den ersten Tagen nach der Katastrophe Angriffe auf Dörfer fliegen. Militärische Kontrollpunkte und bürokratische Hürden behinderten die Lieferung von Hilfsgütern. Die Bischofskonferenz von Myanmar rief zu einem sofortigen Waffenstillstand auf. Die Kirche mit ihrem weitreichenden Netzwerk organisierte schnell Hilfe und verteilte Lebensmittel, Wasser und medizinische Güter – auch in schwer zugänglichen Gebieten. Und sie betreut die Menschen seelsorgerisch und macht ihnen trotz der extremen Herausforderungen immer wieder Hoffnung. pd

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