Anna besucht den Schneiderinnenkurs. „Ich liebe es zu nähen“, sagt die 17-Jährige. Besonders interessiert sie sich für „Longhis“, traditionelle Kleidungsstücke aus Baumwolle oder Seide. Mittlerweile hat sie viele Freundinnen gefunden. „Als ich krank war, kümmerten sich alle um mich, wie eine Familie“, erzählt sie. Anna träumt davon, Designerin für traditionelle Kleidung zu werden und ein eigenes Geschäft zu eröffnen.
Ob Anna und die anderen ihre Ausbildung abschließen können, ist ungewiss. Seit Februar 2024 können auch Frauen zwischen 18 und 27 Jahren für den Militärdienst eingezogen werden. Viele Mädchen im Zentrum waren schockiert. „Die Hälfte wusste nicht, ob sie bleiben oder zurück in ihre Heimat gehen sollte“, berichtet Schwester Regina. „Wir ermutigten sie, mit den Eltern zu sprechen und auf ihr Herz zu hören. 35 entschieden sich zu bleiben.“
Erdbeben beschädigte Ausbildungszentrum
Der Sonntag der Weltmission in 101 Worten
Die Kollekte zum Sonntag der Weltmission ist die größte globale Solidaritätsaktion der Katholiken. Gläubige in mehr als 100 Ländern spenden dann für die Arbeit der etwa 1.100 ärmsten Diözesen der Kirche in Afrika, Asien und Ozeanien. Diese Diözesen finanzieren daraus ihre Ausbildung, Seelsorge und Infrastruktur mit. Der Sonntag der Weltmission findet weltweit am vorletzten, in Deutschland am vierten Sonntag im Oktober statt und wird von den Päpstlichen Missionswerken in über 100 Ländern ausgerichtet. In Deutschland organisieren die Internationalen Katholischen Missionswerke Missio Aachen und München den Sonntag der Weltmission. In diesem Jahr findet die Kollekte zum Weltmissionssonntag am 26. Oktober 2025 statt.
In dieser Unsicherheit ist es schwer, eine Lernatmosphäre zu schaffen, weiß Schwester Regina. „Wir schaffen Momente der Stille, in denen wir einander zuhören und wissen, was wirklich in uns vorgeht“, erzählt sie. „Wir teilen unsere Energie und unterstützen uns gegenseitig.“ So gelingt es den Schülerinnen und Lehrerinnen besser, im Alltag zu bestehen.
Das Erdbeben Ende März in Myanmar traf Mandalay besonders hart. Niemand im Zentrum wurde verletzt, doch das Gebäude erlitt Schäden. Deshalb zogen die Schwestern und Mädchen in eine Notunterkunft außerhalb der Stadt. Gemeinsam verteilten sie Wasser und Lebensmittel an Bedürftige – unterstützt durch Missio. Für sie ist klar: Die Ausbildung im Zentrum wird eines Tages weitergehen. Aufgeben kommt nicht infrage.
Verheerendes Erdbeben in Myanmar
Am 28. März 2025 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,7 Myanmar. Besonders betroffen waren die Regionen Mandalay, Sagaing, Magway und der Shan-Staat. Gebäude stürzten ein, Straßen rissen auf. Mehr als 3.700 Menschen starben, Tausende Menschen wurden verletzt und verloren ihr Zuhause. Viele sind seither obdachlos.
Das Erdbeben trifft ein Land, das seit dem Militärputsch 2021 unter Gewalt und Unsicherheit leidet. Schon vor dem Beben waren aufgrund des Bürgerkrieges drei Millionen Menschen im Land auf der Flucht. Trotzdem ließ die Militärjunta in den ersten Tagen nach der Katastrophe Angriffe auf Dörfer fliegen. Militärische Kontrollpunkte und bürokratische Hürden behinderten die Lieferung von Hilfsgütern. Die Bischofskonferenz von Myanmar rief zu einem sofortigen Waffenstillstand auf. Die Kirche mit ihrem weitreichenden Netzwerk organisierte schnell Hilfe und verteilte Lebensmittel, Wasser und medizinische Güter – auch in schwer zugänglichen Gebieten. Und sie betreut die Menschen seelsorgerisch und macht ihnen trotz der extremen Herausforderungen immer wieder Hoffnung. pd