TRADITIONALISTEN

Angekündigte Bischofsweihen: Präfekt Fernández spricht mit Piusbrüdern

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Die Gemeinschaft geht auf Konfrontationskurs zum Heiligen Stuhl. Wie das zuständige Dikasterium auf ihr Vorhaben reagiert.

Von KNA

Mit der Ankündigung unerlaubter Bischofsweihen sorgten die Piusbrüder in den vergangenen Tagen für Schlagzeilen. Jetzt hat der Vatikan der traditionalistischen Gemeinschaft ein Gespräch angeboten. Wie das Mutterhaus der Piusbrüder im schweizerischen Écône am Donnerstag mitteilte, soll das Gespräch zwischen dem Generaloberen der Piusbrüder, Davide Pagliarani, und dem Leiter der Glaubensbehörde, Kardinal Víctor Manuel Fernández, am 12. Februar in Rom stattfinden. Die Glaubensbehörde ist für die Belange der Piusbrüder zuständig, deren kirchenrechtlicher Status ungeklärt ist.

Am Mittwochabend hatte Papstsprecher Matteo Bruni der Katholischen Nachrichten-Agentur bereits bestätigt, dass es ein solches Gespräch geben werde. „Das Treffen ist eine gute Gelegenheit für einen informellen und persönlichen Dialog, der dazu beitragen soll, wirksame Instrumente für den Austausch zu identifizieren, die zu positiven Ergebnissen führen können“, so Bruni wörtlich.

Sanktionen gegen Piusbrüder unwirksam?

Die erzkonservativen Piusbrüder hatten Anfang der Woche angekündigt, trotz Vatikanverbots neue Bischöfe weihen zu wollen. Der Generalobere Pagliarani begründete den Schritt mit der Sorge um den Fortbestand der Gemeinschaft. Die bisherige Kommunikation mit dem Vatikan führte nach Ansicht von Pagliarani zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis.

In einem am Donnerstag von seiner Gemeinschaft veröffentlichten Interview zeigte Pagliarani sich unbeeindruckt von möglichen Sanktionen, sollte die Bruderschaft Bischofsweihen vornehmen. Etwaige kirchenrechtliche Strafen hätten unter den gegebenen Umständen „keinerlei reale Wirkung“, so der Generalobere.

„Sollten sie dennoch verhängt werden, ist es gewiss, dass die Bruderschaft dieses neue Leiden ohne Bitterkeit annehmen würde, wie sie die vergangenen Leiden angenommen hat, und es aufrichtig für das Wohl der Kirche aufopfern würde“, so Pagliarani. „Die Bruderschaft arbeitet für die Kirche.“

Andauernder Konflikt

Die Piusbruderschaft entstand um den 1988 exkommunizierten und somit aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossenen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991). Dieser hatte 1976 gegen ein päpstliches Verbot Priester geweiht und damit die Piusbrüder innerkirchlich isoliert. Die dadurch ausgelöste Auseinandersetzung erreichte 1988 mit der Weihe von vier eigenen Bischöfen und der Exkommunikation der Beteiligten ihren Höhepunkt. Papst Benedikt XVI. (2005–2013) hob diese Exkommunikation zwar 2009 auf, zu einer theologischen Einigung kam es aber nicht.

Papst Franziskus (2013–2025) löste die für den Dialog mit der Priesterbruderschaft zuständige „Päpstliche Kommission Ecclesia Dei“ im Jahr 2019 auf. Die Zuständigkeit für die Gemeinschaft ging an die Glaubensbehörde über. Laut eigenen Angaben zählt die Piusbruderschaft insgesamt knapp 1.500 Mitglieder, darunter 733 Priester und zwei Bischöfe.

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