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Leo XIV. hatte die Gemeinschaft bereits früher vor der Umsetzung ihres Vorhabens gewarnt. Jetzt erneuert er kurz vor dem Termin seine Kritik.
In einem eindringlichen Appell fordert Papst Leo XIV. die traditionalistischen Piusbrüder auf, ihre vom Vatikan verbotenen Bischofsweihen abzusagen. Voller christlicher Zuneigung bitte und fordere er sie von ganzem Herzen auf: „Kehrt um!“ In dem vom Vatikan veröffentlichten Brief richtet sich Leo an den Leiter der Priesterbruderschaft St. Pius X., Davide Pagliarani. Er hatte die vom Papst nicht erlaubten Bischofsweihen, die für die Beteiligten automatisch zum Kirchenausschluss führen, für den 1. Juli angekündigt.
Leo XIV. schreibt: „Ich ermahne euch, das geistliche Wohl der Gläubigen sorgfältig zu bedenken; denn der schismatische Akt, den ihr begehen würdet, würde sie des rechtmäßigen und in manchen Fällen sogar gültigen Empfangs der Sakramente berauben, die sie lieben und für ihre eigene Heiligung suchen.“
Würdigung und Gesprächsangebot
Die traditionalistische Gemeinschaft, die viele Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) ablehnt, würdigt der Papst in dem Schreiben für ihre Verbundenheit mit dem liturgischen Leben, das Engagement in der Priesterausbildung, den apostolischen Eifer und den Wunsch nach Treue zur Tradition. Das Kirchenoberhaupt schreibt: „Die Kirche ist offen für einen Weg des Dialogs und der Verständigung, den der Heilige Geist möglich und fruchtbar machen kann.“
Leo XIV. erklärte, für die Gemeinschaft zu beten – „denn das Zerreißen des nahtlosen Gewandes Christi ist eine Sünde von äußerster Schwere“. Abschließend schreibt er: „Kraft der von Christus empfangenen Vollmacht fühle ich mich – mit betrübtem, aber dennoch hoffnungsvollem Herzen – verpflichtet, euch aufzufordern, von eurem Vorhaben Abstand zu nehmen, und vertraue dieses Anliegen dem Unbefleckten Herzen Mariens an, der Mutter des Guten Rates.“
Nicht zum ersten Mal
Die Piusbrüder lehnen die meisten Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ab. Streitpunkte sind vor allem Liturgie, Religionsfreiheit und Ökumene. Zudem beharren sie auf alten Formen des Gottesdienstes. Der Gemeinschaft gehören weltweit mehr als 700 Priester an, die meisten davon in Nordamerika und in Frankreich.
Bereits 1988 waren nach der unerlaubten Weihe von vier eigenen Bischöfen ihr Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991), sowie die Geweihten durch den Vatikan exkommuniziert worden. Benedikt XVI. (2005–2013) hob diese Beugestrafe zwar 2009 auf; zu einer theologischen Einigung kam es aber nicht. Am Mittwoch sollen im schweizerischen Écône im Wallis vier Männer unerlaubt zu Bischöfen geweiht werden: ein Schweizer, ein US-Amerikaner und zwei Franzosen.