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Kirchliche Beerdigungen in der Corona-Pandemie

Trauerfeiern unter erschwerten Umständen

In Corona-Zeiten sind kirchliche Trauerfeiern anders als gewohnt. Das hat Folgen. Über ihre Erfahrungen berichten ein ehrenamtlicher Begleiter, ein Pfarrer und eine Expertin aus dem Bistum Münster. Ab dem 1. Mai sind inzwischen Lockerungen in Aussicht gestellt.

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Abschied von einem geliebten Menschen zu nehmen, mitzuhelfen, die Trauer zu bewältigen, Trost zu spenden – darin besteht der Sinn einer kirchlichen Bestattung. „Das alles fällt in Corona-Zeiten weg, weil jeder Teilnehmer an einer Beisetzung ständig darum bemüht ist, keinem anderen zu nahe zu kommen“, kritisiert Andreas Goedereis. Er leitet seit 2006 ehrenamtlich kirchliche Begräbnisfeiern in seiner Pfarrei St. Mauritz in Münster.

„Es gibt nichts Schlimmeres als eine traurige Beerdigung, und eigentlich müsste man momentan alle Beisetzungen auf später verschieben“, sagt er. Zugleich räumt Goedereis ein, dass die „Zumutung“, Abstand zu halten, für die Lebenden gut und richtig ist. „Es hilft nichts, wenn wir etwas machen, was Menschen in Gefahr bringt.“

Die derzeitigen Bestimmung - bis zum 1. Mai

Nach den Bestimmungen des Landes Nordrhein-Westfalen und des Bistums Münster dürfen bis zum 1. Mai nur bis zu 20 Personen an einer Bestattung teilnehmen. Zudem müssen strenge Abstandsregeln eingehalten werden. Erst ab dem 1. Mai werden öffentliche Gottesdienste wieder möglich sein - allerdings unter Vorbedingungen, wie das Bistum Münster ankündigte. Dazu gehört eine begrenzte Zahl von Mitfeiernden bei den Gottesdiensten.

Goedereis erinnert sich besonders an eine Begräbnisfeier mit Wortgottesdienst auf dem münsterschen Waldfriedhof Lauheide: Dabei habe die Urne auf einem kleinen Podest draußen vor der Friedhofskapelle gestanden, daneben ein einziger Stuhl.

Schwierige Trauerrede

Andreas GoedereisAndreas Goedereis leitet ehrenamtlich kirchliche Begräbnisfeiern in der Pfarrei St. Mauritz in Münster. | Foto: Gerd Felder

In der Kapelle habe eine Musikerin auf der Orgel gespielt. Er selbst habe auf der anderen Seite draußen am Kapellen-Ausgang gestanden. „Das war eine seltsame Situation, die mich irritiert hat“, sagt Goedereis. 

Alle acht Verwandten der Verstorbenen, einer alleinstehenden alten Dame, hätten sich vorbildlich an die Abstandsregeln gehalten, erinnert er sich. Sie hätten dadurch aber auch weit von ihm entfernt gestanden. Als besonders unwirklich hat er erlebt, dass er aufgrund der Situation die sehr persönliche Trauerrede nahezu ausschließlich an jene Menschen richten musste, die ihn zuvor gründlich über das Leben ihrer toten Verwandten berichtet haben.

Vieles wirkt unfreiwillig skurril

„Zurzeit findet eine Trauergemeinde nicht mehr statt“, sagt Goedereis. „Denn die, die da sind, können sich nicht besinnen und einander stützen, weil sie ständig mit den Auflagen der Kontaktsperre beschäftigt sind.“ Über den engsten Kreis der Verwandten dürfte niemand dazukommen.

Auch am Grab sei die Situation nicht anders. Die wenigen Leute ständen so weit voneinander entfernt wie sonst 50 Personen, bedauert er. Der Moment des endgültigen Abschieds, wenn der Sarg oder die Urne abgesenkt wird, werde durch die strengen Auflagen total entwertet. Vieles wirke unfreiwillig skurril, so Goedereis.

Dichte Atmosphäre im Kreis der Lieben

Einen anderen Akzent setzt Nicole Stockhoff. Die Leiterin der Fachstelle Gottesdienst und des Referates Liturgie im Generalvikariat in Münster lobt, dass durch die Bestatter viel aufgefangen werden könne, weil sie sich um eine angemessene Dekoration bei den Feiern bemühten. „Der Ritus der kirchlichen Bestattung bleibt ja so, wie er sonst ist, wenn auch gekürzt“, hebt sie hervor.

„Darüber hinaus haben mir mehrere Pfarrer und Diakone berichtet, dass bei den Beisetzungen in Corona-Zeiten eine schöne, dichte Atmosphäre im Kreis der engsten Angehörigen entstehen kann.“ Auch habe das Bistums-Referat Empfehlungen für Hausgottesdienste herausgegeben. Die könnten alle mitfeiern, die nicht an der Bestattung teilnehmen. Solche Hausgottesdienste könnten idealerweise zeitlich parallel zur Beisetzung stattfinden, so Stockhoff.

„Selbst gute Freunde werden häufig ausgeschlossen“

Timo Weissenberg erlebt, dass es für manche Angehörige schwierig ist, wenn sie nicht zum Beerdigungskaffee gehen können. Auch sei es problematisch, wenn ein Verstorbener bekannt und sozial engagiert war und nur von seiner engsten Familie zu Grab getragen werden könne, sagt der Leitende Pfarrer von St. Liudger in Münster.

„Selbst gute Freunde werden häufig ausgeschlossen“, bedauert er. Was Trauergespräche angeht, hält Weissenberg den persönlichen Kontakt unverändert für seelisch und seelsorgerlich wichtig. „Die meisten Menschen wünschen sich, mit jemandem von Angesicht zu Angesicht zu sprechen“, sagt er. Manche im Bestattungsdienst würden das nun telefonisch machen. „Das ist für mich aber keine Option“, sagt er.

Ab dem 1. Mai wird sich die Situation nun wieder etwas entspannen können. Gleichwohl gelten weiterhin Beschränkungen bezüglich der Teilnehmerzahl, die mit der Größe der Kirchen und Friedhofskapelle zu tun hat.

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