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Themenwoche "Corona und die Eine Welt" (1) - aus Bocholt/Uganda

Trotz Pandemie: Bocholter besuchen Schulpatenprojekt in Uganda

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Verlassene Schulen, arbeitslose Lehrerinnen und Lehrer: Die Auswirkungen der Corona-Pandemie in Uganda haben vor einigen Wochen fünf Mitglieder aus der Gemeinde St. Josef in Bocholt hautnah erlebt, als sie ihr dortiges Projekt „Ewaldi Children Education Fund“ besuchten. Dank vieler Schulpatenschaften und Spenden sind die Mitglieder des Partnerschaftsprojekts optimistisch, den Schulbetrieb fortsetzen zu können.

Seit 2008 gibt es das in Bocholt entstandene Schulpatenprojekt „Ewaldi Children Education Fund“ in Uganda. Inzwischen unterstützt das Projekt 600 benachteiligte und Waisenkinder in der Region Nakaseke. Fünf Mitglieder des „Ewaldi Children Education Fund“ konnten vor wenigen Wochen die Kinder des Projekts und die Grundschule in Uganda zu besuchen.

In der Regel besucht jedes Jahr eine Gruppe Ehrenamtlicher zusammen mit dem Projektleiter und Pastoralreferenten André Bösing aus Rhede das Projekt, um dort zu arbeiten und sich über die Entwicklungen zu informieren. Nach einem Jahr Corona-Pause, in dem es den persönlichen Kontakt nur über Telefon und E-Mail geben konnte, sollte endlich wieder eine Gruppe ins Land reisen.

Ende des Unterrichts mit dem Lockdown

„Schon beim Eintreffen an der Schule ließ sich der Unterschied zu den vorangegangenen Jahren erkennen“, sagt Bösing. „Die Schule war verlassen. Die Klassenräume standen offen. Keine Kinder weit und breit. Der große Schlafsaal und der Garten, wo sonst Kinder spielten, Wäsche gewaschen oder gearbeitet wurde, waren leer.“

Er habe selten ein so bedrückendes Gefühl gehabt, sagt Bösing, der das Projekt gegründet hat. In den Klassenräumen lagen bereits verstaubte Schulhefte. Ein Tafelbild mit Datum vom 17.4.2019 war zu sehen. „Das war der Tag, an dem der große Lockdown begann, der noch bis zum Januar 2022 andauern soll.“

Mit Gelegenheitsarbeiten durch die Krise

Aber ganz so erschreckend blieb der erste Tag in Uganda dann doch nicht, wie Bösing berichtet. Steven Sango, der ugandische Direktor und Projektleiter, hatte einige Kinder der Abgangsklassen an die Schule geholt. Diese hatten kurzerhand Tänze und Lieder einstudiert, mit denen sie die Besucher begrüßten.

Ein langes Gespräch folgte, bei dem sich die Bocholter Gruppe und Schüler über die Corona-Situation austauschten. Einige der Kinder hatten Angehörige und Eltern durch Corona verloren, andere hatten die Zeit mit Gelegenheitsarbeiten gefüllt. Auch gab es ältere Jugendliche, die bereits einen Beruf erlernt hatten und erfinderisch mit der Krise umgegangen sind.

Förderung einer Kaffeegenossenschaft

„Alle Schülerinnen und Schüler betonten trotz ihrer schwierigen Situation die Hoffnung auf Besserung“, sagt die Teilnehmerin Sylvia Löhr und nennt bereits ein neues Projekt des Partnerschaftskreises: Künftig soll eine Kaffeegenossenschaft gefördert werden. Diese soll Kleinbauern finanziell stärken.

Wie Bösing festgestellt hat, stellt sich die Situation an den umliegenden Schulen im Nagaseke-Distrikt völlig anders dar. „Viele der staatlichen und privaten Schulen sind während des Corona-Lockdowns verfallen. Klassenräume wurden geplündert, und Lehrer haben andere Jobs gesucht.“

Aufnahme des Schulbetriebs

Die „Ewaldi Community School“ scheine eine der letzten intakten Schulen in der Region zu sein. Geholfen hätte die Kontinuität der Spenden. „Die Lehrergehälter und den Verdienst für das Sicherheitspersonal konnten wir weiterbezahlen.“

Aber auch an der „Ewaldi Community School“ stelle sich die Frage, wie die Kinder zurück an die Schule kommen, sagt Bösing. „Viele Kinder sind derzeit in der familiären Arbeit eingebunden.“ Das erschwere eine Rückkehr in den Schulbetrieb.

Verteilen von Care-Paketen

Baumpflanzaktion „trees for future“
Als CO₂-Ausgleich für den Flug pflanzte die Bocholter Reisegruppe Bäume nach dem Motto „trees for future“. | Foto: privat

Wie Jochen Querbach erklärt, sei es Ziel der Reise gewesen, Care-Pakete für die Familien zu verteilen. Sie haben jeweils einen Wert von 25 Euro. Für das Geld besorgen die Mitarbeiter der Schule Zucker, Öl, Seife, Mehl und kleine Geräte für die Landwirtschaft.

Ein gutes Gefühl gab der Reisegruppe, dass sie als CO₂-Ausgleich für ihren Flug Geld gespendet haben, wofür in Uganda 200 Bäume gekauft wurden. „Diese konnten direkt im umliegenden Dorf gepflanzt werden. So konnten wir das inzwischen gerodete Land wieder etwas begrünen“, sagt Bösing. Das Pflanzen eines Baums koste etwa fünf Euro.

Neue Reisegruppe startet im Herbst 2022

Im Herbst 2022 möchte André Bösing wieder mit einer Gruppe nach Uganda fahren, um konkret zu helfen. „In Zeiten von Corona brauchen unsere Freunde in Uganda unsere Solidarität.“

Update: Schulen in Uganda wieder offen
In Uganda sind am 10. Januar die Schulen nach knapp zwei Jahren coronabedingter Schließung wieder geöffnet worden. Etwa 15 Millionen Schülerinnen und Schüler kehrten in die Schulen zurück, wie der ugandische Nachrichtensender NTV berichtete. Demnach hatten sie seit März 2020 keinen Unterricht mehr. Uganda ist nach Angaben der Unesco das letzte afrikanische Land, in dem die Schulen wegen der Corona-Pandemie noch geschlossen waren. (epd)

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