Johannes Neuhaus aus Hopsten hat mit Mitte 50 den Beruf gewechselt

Truppen-Koch ist jetzt Seelsorger bei der Bundeswehr

Hopsten ist seine Heimat. Hopsten und die Gemeinde St. Georg. Hier kommt Johannes Neuhaus her, hier hat er geheiratet und gebaut, mit Frau und Kindern gelebt, hier hat er Jahrzehnte gearbeitet. Zumindest in der Nähe: auf dem Stützpunkt der Luftwaffe, als Unteroffizier beim Jagdgeschwader 72. Bis das Geschwader 2002 aufgelöst wurde. Es gab keine Arbeit mehr für Johannes Neuhaus. Er suchte sich neue, fand sie mal in Aachen, Köln und Wilhelmshaven, dann in Seedorf und Oldenburg. Immer bei der Bundeswehr.

Und die Familie zog mit? Keine Spur! „Ich bin immer gefahren“, sagt Johannes Neuhaus. Mal 280, mal 170 Kilometer. Wochenendbeziehung, freitags und sonntags auf der Autobahn. Johannes Neuhaus weiß also genau, wie Soldaten sich fühlen, die am Wochenende in die Heimat wollen. Das hilft ihm bei seiner Arbeit.

Ein vielseitiger Werdegang liegt hinter ihm

Denn Neuhaus ist schon lange nicht mehr Soldat. Seit 2011 arbeitet er als Pfarrhelfer in der Militärseelsorge, seit zwei Jahren im Standort Oldenburg.

Neuhaus hatte Jahrzehnte bei der Bundeswehr gearbeitet, war sich aber nie ganz klar geworden, was ein Pfarrhelfer eigentlich macht. Die planen und organisieren, gut. Und sie tragen dem Pastor für den Gottesdienst den Koffer mit den Kultgegenständen. Aber Helfer – den Ausdruck kannte er aus seinem Beruf als Koch. Und Küchenhelfer – die haben ihre Rolle im Betrieb, aber keine besonders spannende.

Ausbildung in einem Tecklenburger Hotel

Mit spannenden Rollen im Beruf kennt Neuhaus sich aus; der junge Mann aus Hopsten hat seinen Beruf im Parkhotel Burggraf in Tecklenburg gelernt, „damals das zweite Haus im Münsterland, nach Krautkrämer in Münster-Hiltrup.“

Bei der Bundeswehr kochte er im Offizierskasino, später in der Truppenküche, bildete sich als Küchen- und Serviermeister weiter. Als Feldwebel verließ er die Bundeswehr, arbeitete dann als ziviler Angestellter weiter dort, war als zentraler Küchenmeister an verschiedenen Standorten zuständig für Organisation und Planung in einem Dutzend Bundeswehrküchen, sorgte dort für wirtschaftliche Abläufe.

Mit 54 musste er noch einmal umlernen

Bis ihn ein guter Freund ansprach: Bei den Fallschirmjägern in Seedorf suche der Militärpfarrer einen Pfarrhelfer. Ob das nicht etwas für ihn sei? Johannes Neuhaus überlegte, fragte: „Ich in die Seelsorge?“ Damals arbeitete er gerade als Küchenmeister für die Bundeswehr in Wilhelmshaven, hatte beruflich alles erreicht, war zufrieden. Vielleicht nicht restlos, sagt er heute. Denn der Gedanke Pfarrhelfer in der Militärseelsorge habe ihn nie losgelassen. „Da kam viel zusammen, was mich da hinzog“, so Neuhaus. „Da hat auch ganz sicher von oben jemand kräftig mitgezogen“, sagt er und zeigt zum Himmel.

Der neue Beruf überraschte ihn sofort mit einer großen Herausforderung: Als 54-jähriger Koch musste Johannes Neuhaus Theologie studieren, über den so genannten Würzburger Fernkurs. „Das war schon heftig.“

Jetzt ist er oft erster Ansprechpartner

In die Arbeit selbst fand sich Neuhaus bald ein; ein großes Pfarramt organisieren, Abläufe planen – für einen erfahrenen Feldwebel und Zentral-Küchenmeister zu schaffen. Aber er merkte bald: „Als Pfarrhelfer steckt man auch mitten in der Seelsorge, man ist oft der erste Gesprächspartner für die Soldaten. Das ist schon ein hoher Anspruch.“

Was ihm geholfen hat: Austausch mit Kollegen, mit anderen Pfarrhelfern. Die seien fast alle wie er als Unteroffiziere quer in die Aufgabe eingestiegen. Ganz ähnliche Typen. Das meint er sehr ernsthaft auch bei den Eigenschaften. Er zählt an den Fingern auf: „Wir sind fromm – klar. Wir sind fleißig – wenn jemand vor uns sitzt, gucken wir nicht auf die Uhr. Wir sind hilfsbereit – das ist unsere Spezialität.“

Oft kommen Soldaten mit privaten Problemen

Sehr oft kommen Soldaten mit diesem Problem: Sie möchten versetzt werden. Stationiert sind sie in Oldenburg, die Familie lebt hunderte Kilometer entfernt. „Beim Bund wird ja befohlen, da geht man ja nicht immer aus Begeisterung an einen bestimmten Standort.“ Also Wochenendbeziehung. Und die klappt nicht immer reibungslos. „Bei uns kommen dann ganz private Probleme auf den Tisch, die sie einem Offizier nie sagen würden.“

Neuhaus hat lange in einer Wochenendbeziehung gelebt, er hat Verständnis für die Soldaten. Die Vorgesetzten nicht immer. „Wenn sich die Militärseelsorge einschaltet, sieht das vielleicht anders aus.“

Er muss auch mal Streit schlichten

Es kann auch um Hilfe gehen für eine ganze Einheit. Neuhaus weiß von einer Kompanie, in der Kommandeur und Truppe zerstritten waren. „Grabenkämpfe, völlig verfahren“, erinnert sich Neuhaus. „Da hatte ich die Leute dann hier sitzen, beide Seiten. Weil die zu jemandem gehen, wo es unkompliziert ist. Und wo Lebenserfahrung spricht – auch die beim Bund.“

Der Streit wurde in langen Gesprächen geschlichtet, die Zusammenarbeit klappt wieder. „Die sind uns unendlich dankbar.“ Das sei im Alltag zu merken: „Auf der Straße wird man einfach angesprochen, man kennt sich jetzt von einer ganz anderen Seite.“

"Für mich war es genau das Richtige"

Auch überraschend: „Wie oft die inzwischen bei unseren Wochenend-Angeboten sind oder bei den Familien-Werkwochen – kaum zu glauben.“ Für Neuhaus ein klassisches Beispiel. „Natürlich werben wir für diese Bildungsangebote auch im Schaukasten.“

Entscheidend sei aber, wenn jemand die praktische Arbeit der Militärseelsorger erlebe. Neuhaus ist überzeugt: „Man kann hier einiges bewirken: nämlich Hemmschwellen abbauen. Und denen, die mit uns in Kontakt kommen, zeigen: So verkehrt ist die katholische Kirche gar nicht.“ Für ihn sei deshalb klar: „Ich habe mit dem Wechsel in diesen Beruf genau das Richtige getan. Jetzt ist er für mich die Erfüllung.“