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Berufstätige sind in Emsdetten als Ministranten im Einsatz

Ü30-Messdiener: Warum Erwachsene am Altar dienen

  • Sie waren auf der Suche nach einem Angebot und gründeten dann einfach selbst eine Gruppe: die Erwachsenen-Messdiener in Emsdetten.
  • Der Hintergrund ist eher bestürzend: Die Frauen wollten bereits in ihrer Kindheit Messe dienen, durften es aber in ihrer damaligen Gemeinde nicht.
  • Nun gestalten die Engagierten auch selbst Gottesdienste, das Alter spielt da keine Rolle.
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Nein, in ein Messdiener-Zeltlager würden sie zusammen nicht unbedingt fahren, „höchstens auf ein Gruppenwochenende mit Halbpension“, sagen die drei Emsdettener Erwachsenen-Messdiener im Video-Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“ lachend. Spaß gehört in der Gruppe dazu, aber nicht nur: Die Messdienergruppe „Ü30“ an der Kirche Herz-Jesu an der Karlstraße in Emsdetten dient jeden Sonntagabend im Gottesdienst am Altar.

Normalerweise lernen Kinder im Alter von neun Jahren, wie man die Kelche mit den Hostien und dem Wein im Gottesdienst zum Altar bringt, und wann man mit den Glocken schwungvoll zu läuten hat, oder – der Ministranten-Klassiker – wie zu feierlichen Anlässen das Weihrauchfass geschwenkt wird, ohne dass der Träger die Dämpfe einatmet und in Ohnmacht fällt.

 

Angebot für junge Erwachsene musste her

 

Bei Petra Kemper und Simone Wienker war es erst jenseits der 40 so weit: Die beiden Frauen sind erwachsene Messdienerinnen. Ins Leben gerufen hat die Gruppe Jan Plagge: „Ich bin nach der Erstkommunion bei den Messdienern eingestiegen und mit 25 Jahren irgendwann ausgestiegen“, berichtet Plagge. Doch ohne Messdienergruppenstunde fehlte dem jungen Mann etwas: „Ich habe dann erstmal nichts mehr in der Kirche gemacht, doch das fand ich auch unbefriedigend.“ Ein Angebot für junge Erwachsene musste her.

So schrieb Plagge 2019 einen Aufruf und fragte: „Wer hat Lust, eine Erwachsenen-Gruppe für Messdiener zu gründen?“ Die Rückmeldungen waren gut, ein Hintergrund dafür aber eher bestürzend. „Viele Frauen wollten früher Messdiener werden, aber das gab es nicht“, berichtet Petra Kemper. Bereits als Kind schaute sie vom Chorgestühl aus ihrem Vater beim Messedienen zu: „Wie er da gewirkt hat, dann die Glocken geläutet hat oder die großen Leuchter getragen hat, das fand ich immer spannend als Kind, aber ich selbst durfte dann nicht Messdienerin werden.“

 

Übungseinheiten zum Einstieg

 

Ähnlich war es bei Simone Wienker der Fall: „Wir Mädchen konnten damals in Greven, wo ich gebürtig herkomme, alternativ im Kinderchor mitsingen.“ Dienen war nicht zulässig, „das bleib den Jungs vorbehalten“, berichtet Simone Wienker. Später stieg sie erst mit der Erstkommunionvorbereitung ihrer Kinder wieder bei „Kirchens“ ein. Mittlerweile ist die 49-Jährige sehr aktiv als Lektorin und Kommunionhelferin in der Großgemeinde St. Pankratius. „Viele Angebote richten sich an Familien, gerade in unserem Alter.“ In ihrer Familie spiele Kirche aber keine so große Rolle, daher suchte sie sich ihre Ansprechpartner für Glaube und Religion außerhalb: „Ich habe dann aktiv nach einem Angebot für mich geschaut, und bin bei den erwachsenen Messdienern fündig geworden“, beschreibt die Lehrerin.

Die Suche nach einem Gottesdienst, in dem sie dann auch zum Einsatz kommen konnten, war für die Älteren nicht einfach: „Wir wollten natürlich keiner Messdienerschaft in Emsdetten einen Einsatzort wegnehmen“, fügt Jan Plagge hinzu. Er besprach sich mit dem damaligen Kaplan Bernd Egger: „Er hat vor zwei Jahren dann auch mit uns ein paar Mal geübt“, schildern die drei, die zu der achtköpfigen Gruppe gehören.

 

„Aldi-Parties“ sind der Renner

 

In der Herz-Jesu-Kirche war etwas frei, seitdem dienen dort sonntagabends die 30- bis 55-Jährigen. Und nicht nur das: Die beiden Frauen bringen sich außerdem in den „Mahlzeit-Gottesdiensten“ ein: „Wir verbinden verschiedene Elemente in unseren Gottesdiensten, um zu einer anderen Auseinandersetzung mit dem Evangelium einzuladen.“ Meditation, Musik, Scheinwerfer gehören dazu, die Predigt besteht zum Beispiel aus einem gemeinsamen Bibelteilen, indem jeder seine Perspektive auf den gemeinsam gelesenen Bibeltext darlegt. Der Altersunterschied spiele da gar keine Rolle mehr: „Von solchen gemeinschaftlichen Gottesdiensten erhalten wir viele positive Rückmeldungen“, schildern die beiden Frauen.

Die Kirche müsse Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen und Altersstufen mehr auf dem Schirm haben. Es müsse mehr Angebote geben, nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Berufstätige. Das beste Beispiel seien die „Aldi-Parties“, für „all die, die sich freiwillig in der Gemeinde engagieren“, wie Jan Plagge erläutert. Petra Kemper meint abschließend: „Ich glaube, viele Gemeindemitglieder suchen Kontakt. Für uns ist es ein schönes Erlebnis, mit der Gemeinde, die da sonntagabends zusammenkommt, ins Gespräch zu kommen, Gemeinschaft ist doch für alle Altersgruppen wichtig“, meint Petra Kemper ganz pragmatisch. Sie würden auch gerne mal einen Umtrunk planen, sind aber bei den derzeitigen Corona-Bestimmungen noch unsicher.

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