Berufe in der Kirche – Teil 5: Der Architekt

Umbau auf Wangerooge: Arbeiten, wo andere urlauben

Besondere Herausforderungen reizen ihn, auch die aktuelle. Die Pläne hat Christian Herzog gerade auf dem Schreibtisch liegen, für einen Um- und Neubau von „Haus Meeresstern“ auf der Insel Wangerooge.

Der Architekt in Diensten des Bischöflichen Offizialates in Vechta weiß: Dabei ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. „Da soll ja nicht alles auf links gedreht werden.“

Das kirchliche Gästehaus soll auch nach dem für die kommenden Jahre geplanten Umbau möglichst viel von seinem besonderen Flair behalten, von dem die Gäste seit Jahrzehnten schwärmen. Gleichzeitig darf das Ganze aber in Sachen Komfort und Standard anderen Gästehäusern in nichts nachstehen. Und natürlich darf alles nicht zu teuer sein.

Haus Meeresstern

Keine leichte Aufgabe auf der einzigen Nordseeinsel des Bistums Münster. Architekt Herzog muss bei allen Planungen rund 40 Prozent „Inselaufschlag“ einkalkulieren – und wohl auch mehr Zeit. Denn jeder Stein und jeder Sack Zement wird per Fähre vom Festland herübergebracht, die fährt aber nur bei Flut.

Es sind Aufgaben wie diese, die für den 33-jährigen Diplom-Architekten den besonderen Reiz seiner Arbeit im vierköpfigen Planungs-Team des Bischöflich Münsterschen Offizialates ausmachen. Seit 2016 gehört er dazu. Es ist die zweite Stelle nach seinem Studium an der Technischen Universität Braunschweig.

Von 2014 bis 2016, direkt nach der Uni, hat Herzog in einem Architektenbüro in Osnabrück erste Erfahrungen gesammelt. Auch dort ging es um Großprojekte: den Ersatzbau für eine abgebrannte Schule in Wittmund zum Beispiel, ein Industriegebäude in Ludwigshafen, einen Umbau am so genannten Unteren Schloss in Siegen.

Statt wie dort rund 40 Kollegen sind es in der Abteilung Bauwesen im ersten Stock der bischöflichen Behörde in Vechta vier. Und statt wie zuvor in Osnabrück dauerhaft nur an einer Sache zu tüfteln, hat er es als Architekt im Kirchendienst meist mit mehreren nebeneinander zu tun, von kleineren Projekten bis zu Mammut-Aufgaben wie Haus Meeresstern.

Auch kleine Projekte

 Haus Ansgar auf Wangerooge.
Haus Ansgar auf Wangerooge war Christian Herzogs erstes großes Projekt als Offizialatsarchitekt. | Foto: privat

„Da ruft zum Beispiel ein Kirchenprovisor an mit dem Wunsch, dass die sanitären Anlagen im Pfarrheim erneuert werden“, beschreibt Herzog, was er unter kleineren Aufgaben versteht. Oft gibt er dann Tipps und Ratschläge, wie die Gemeinde das Ganze vor Ort selbst organisieren kann. Deutlich mehr Aufwand erfordern da schon Projekte, bei denen die Offizialats-Architekten die so genannte Bauherren-Vertretung übernehmen. Das bedeutet: Externe Architektenbüros sorgen für die Planung und Ausführung, und Herzog und seine Architekten-Kollegen aus dem Offizialat begleiten das Ganze als Ansprechpartner der Kirche.

Für den gebürtigen Dinklager war und ist Architekt ein Traumberuf, schon seit der Grundschule. So stand außer Frage, dass er sein Schulpraktikum bei einem Architekten absolvieren würde. Besonders gerne plant und verwirklicht er Projekte von Anfang bis Ende. „Das ist ja gerade das Schöne: dass man ein fertiges Ergebnis vor Augen hat.“

Kein Einzelkämpfer

Das war auch beim Haus Ansgar auf Wangerooge so, Herzogs erstem großen Projekt, nur einen Steinwurf entfernt vom Haus Meeresstern. Gut drei Jahre hat er daran gearbeitet, vom ersten Entwurf bis zur Umsetzung, nicht als Einzelkämpfer, sondern immer im Dialog mit seinen Architekten-Kollegen im Offizialat und in der „Architekten-Runde“ mit dem Finanzdirektor, die etwa alle drei Wochen zusammenkommt, um Pläne miteinander abzustimmen.

Direkt neben der St.-Willehad-Kirche strahlt der weiß verputzte Bau nun in der Sonne. Er bietet heute sowohl Platz für die Inselgemeinde als auch moderne Unterkünfte für die Teams der Urlauber-Seelsorge. Außerdem ragt neuerdings als moderner gläserner Anbau die Pfarr-Bücherei aus dem 1912 errichteten Gebäude heraus.

„Auch beim Haus Ansgar ging es darum, etwas vom Geist des Hauses zu bewahren – und um neue Möglichkeiten zu ergänzen“, erklärt Herzog. „Das Projekt war ein Wagnis, aber es ist gelungen. Auch deshalb, weil die Gemeinde sich darauf eingelassen hat.“Gremien mit Ideen und Entwürfen zu überzeugen – das gehört mit zu den Herausforderungen von Architekten. „Dekanat Wilhelmshaven“ und „Dekanat Friesoythe“ steht am Schild neben Christian Herzogs Bürotür. Im Team ist er für diese Regionen zuständig. Oft ist er vor Ort, um sich ein Bild von den Begebenheiten und den Wünschen und Anforderungen der Nutzer zu machen.

Aus den Gesprächen und Diskussionen mit Verantwortlichen weiß er: „Egal, ob in Varel oder Thüle – die Menschen vor Ort sind immer mit viel Herzblut dabei, wenn es um ihre Gemeinde vor Ort geht.“

Am Anfang einer Planung steht immer der Blick auf die Bedürfnisse: Wer nutzt das Gebäude eigentlich wann und wie oft?

Wenn es um ein Pfarrheim geht, nehmen die Architekten meist den Belegungsplan als Grundlage. „Weil zum Beispiel Pfarrheime von vielen verschiedenen Gruppen genutzt werden – Senioren, Jugendlichen oder Gremien.“

Meistens am Bildschirm

Nur selten zeichnet Christian Herzog noch mit dem Bleistift von Hand. Das meiste entsteht mit Hilfe einer speziellen Architektur-Software auf den beiden Bildschirmen auf seinem Schreibtisch oder auf seinem Laptop.

Die Aussicht auf Mitarbeit an historischen Gebäuden – das gehört zu den Dingen, die ihn an der Stelle im Bischöflichen Offizialat reizten, auch wenn sie häufig mit Unberechenbarkeit verbunden ist.

Christian Herzog lächelt. „Es kann ja immer was dazwischenkommen. Wir müssen auf Überraschungen gefasst sein“, sagt er und erzählt von den unerwarteten Feuchtigkeitsschäden in einer Holzbalken-Decke oder durchgerosteten Stahlträgern in der historischen Fassade. „Aber das gehört eben auch dazu.“