Anzeige
Premiere in Deutschland: Die Uni Münster gründet eine Islamisch-Theologische Fakultät. Das Interesse an dem Projekt sei groß, so Dekan Khorchide.
Das Medienaufkommen war groß und auch Universitäten aus dem muslimischen Ausland bekundeten ihr Interesse. Die Universität Münster gründet die erste Islamisch-Theologische Fakultät deutschlandweit und nach eigenen Angaben auch europaweit.
Offizieller Startschuss ist der 1. Juli 2026. Die administrative Umsetzung soll bis zum Semesterbeginn im Oktober über die Bühne gehen. Universitäts-Rektor Johannes Wessels und der Direktor des Zentrums für Islamische Theologie (ZIT), Mouhanad Khorchide, stellten am Mittwoch, 22. April, bei einer Pressekonferenz ihre Visionen, die inhaltliche und personelle Ausrichtung sowie die Leitlinien vor. Khorchide ist Gründungsdekan des neuen Fachbereichs 16.
Deutliche Aufwertung der Islamischen Theologie
„Damit wird die Islamische Theologie gleichgestellt mit den anderen Fakultäten, was ihre Rechte und ihren Anspruch betrifft“, betonte Wessels. Der Neugründung sei eine mehr als zehnjährige Vorbereitung vorausgegangen, erläuterte der Rektor der Universität.
Das 2012 gegründete ZIT war bisher an den Fachbereich Philologie angebunden. Als eigenständige Islamisch-Theologische Fakultät ist der Studienbereich nun deutlich aufgewertet und kann in Eigenverantwortung zukünftig auch Promotionen und Habilitationen mit eigenem Prüfungsrecht begleiten. Zudem ist die Fakultät für das Lehrangebot, die Studiengänge sowie die Studienberatung verantwortlich.
Khorchide: Leuchtturm für weltoffenen Islam
Auf den Aufbau eines gendergerechten Lehrkörpers habe man bewusst geachtet, sagte Gründungsdekan Khorchide. Vier Professorinnen, vier Professoren sowie ein Team von 80 Mitarbeitenden gehören dazu. Zurzeit gibt es 450 Studierende. Zum Vergleich: Die Katholisch-Theologische Fakultät hat 790, die Evangelisch-Theologische Fakultät 513 Studierende.
„Wir wollen ein Leuchtturm für einen weltoffenen Islam sein“, betonte Khorchide. „Für einen Islam aus Europa, der auf hohem akademischen Niveau ist und für Toleranz steht.“ Damit hoffe er auch, ein gesellschaftliches Vakuum zu füllen. Multiplikatoren wie Lehrkräfte, Imame, Sozialarbeitende, Berater, Absolventen, die später in Stiftungen oder Ministerien arbeiten könnten, sollten mit diesem toleranten Verständnis vom Islam ausgebildet werden und in der Gesellschaft zu einer „Normalisierung des Zusammenlebens in Vielfalt beitragen“, sagte Khorchide.
Großes Interesse aus der islamischen Welt
Der Neugründung liegen zwölf Leitlinien zugrunde, die laut Khorchide eine Art „Profil“ der Verantwortung für die zukünftige Arbeit bilden. Der Gründungsdirektor nennt unter anderem die Abgrenzung von Extremismus, Antisemitismus, Islamismus, die Anerkennung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, Gendergerechtigkeit, Frauenforschung und eine kritische Männerforschung, den historisch-kritischen Zugang zu den heiligen Texten und die Beschäftigung mit Internet und Social Media. Auch der Beirat des ZIT aus Mitgliedern der DITIB, des Islamrats der Bundesrepublik Deutschland und des Zentralrats der Muslime habe die Fachbereichsgründung unterstützt.
Schon jetzt habe das Konzept zu interessierten Reaktionen in der islamischen Welt geführt. Viele Menschen, die in den 1960er- und 1970er-Jahren nach Deutschland gekommen seien, und ihre Nachkommen würden diese Entwicklung als Anerkennung auf Augenhöhe erleben. „Das macht ihn stolz“, sagte Korchide. In den letzten Wochen haben ihn Anfragen aus Indonesien und Marokko erreicht und selbst ein Vertreter aus dem saudi-arabischen Mekka habe sich gemeldet. Man denke an eine Art von Studierendenaustausch.
Interreligiöser Dialog soll gestärkt werden
Mit den Fakultäten der Katholischen und Evangelischen Theologie, mit dem Fachbereich Judaistik und Religionswissenschaften wird der neue Fachbereich 16 künftig auf dem Campus der Theologien und Religionswissenschaften nahe der ehemaligen Hüfferstiftung angesiedelt. Der Campus – so Wessels – werde zukünftig die größte theologische Forschungsbibliothek Europas vorweisen können.
Mouhanad Khorchide verspricht sich davon „viele Überschneidungen, Synergieeffekte und Gespräche in der gemeinsamen Mensa, die wir haben werden“. Das Interesse an gemeinsamen Studiengängen sei bereits jetzt unter den Studierenden der unterschiedlichen Fachbereiche groß. Auf dem neuen Campus erhofft sich Khorchide noch mehr Austausch für den interreligiösen Dialog und für die interdisziplinäre Zusammenarbeit.