Christine Lambrecht hatte Zugang der Staatsanwaltschaft zu allen Akten gefordert

„Unwahr“ – Genn weist Kritik von Justizministerin zurück

Münsters Bischof Felix Genn hat Kritik von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) am Umgang der katholischen Kirche mit den Missbrauchsfällen zurückgewiesen. „Auch wenn es die Bundesjustizministerin ist, so ist das, was sie sagt, einfach die Unwahrheit", sagte Genn am Freitag. „Die Staatsanwaltschaft hat natürlich Zugang zu allen Akten, die sie einsehen möchte“, so der Bischof. Zudem erfolge im Bistum Münster die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in völliger Unabhängigkeit durch Historiker der Universität Münster. „Auch diese haben Zugang zu allen Akten“, betonte Genn.

Lambrecht hatte in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ die katholische Kirche aufgefordert, den Staatsanwaltschaften Zugang zu allen Akten zu gewähren. Wenn die Kirche Vertrauen zurückgewinnen wolle, müsse sie „dringend neue Strukturen aufbauen“ und die Missbrauchsfälle aufarbeiten. „Sie hat sich dazu verpflichtet, aber diesen Worten müssen dringend Taten folgen“, so die Ministerin. Weiter forderte sie eine schnelle Entschädigung der Missbrauchsopfer.

Genn: Mit mir wird es keine Vertuschung geben

Genn sagte beim Diözesanrat des Bistums Münster, dass in der Diözese alles getan werde, um die Vergangenheit aufzuarbeiten und sexuellen Missbrauch im Raum der Kirche möglichst zu verhindern. „Dabei sind wir weiter eine lernende Organisation“, so der Bischof. Mit ihm werde es keine Vertuschung geben. Zudem habe der Opferschutz höchste Priorität.

„Wir müssen alles tun, um Menschen, die durch sexuellen Missbrauch verletzt wurden, zu helfen. Entschädigen können wir das aber weder materiell noch ideell“, führte Genn aus. „Selbst, wenn ich eine Milliarde hätte, könnte das die Wunden, die den Betroffenen zugefügt wurden, nicht heilen.“