Generalstaatsanwalt: Kirchenführer zur Rechenschaft ziehen

US-Justiz ermittelt wegen Missbrauchs im Bistum Washington

Die Staatsanwaltschaft Washington D.C. hat eine Untersuchung über sexuellen Missbrauch durch katholische Geistliche im Bundesdistrikt rund um die US-Hauptstadt eingeleitet. Generalstaatsanwalt Karl A. Racine kündigte an, das Verhalten der katholischen Kirchenführer zu untersuchen und sie gegebenenfalls zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Gesetze des Bundesdistrikts erlauben es dem Generalstaatsanwalt, Dokumente einzufordern und Strafen zu verhängen. Seine Kompetenzen gehen bis hin zur Auflösung einer Organisation, wenn sie „die ihr gesetzlich übertragene Befugnis überschritten oder missbraucht hat und weiterhin überschreitet oder missbraucht“.

Reaktion auf den Bericht in Pennsylvania

Der Generalstaatsanwalt sagte, er fühle sich verpflichtet, die Kirche in seinem Zuständigkeitsbereich zu untersuchen, nachdem er den Bericht über Missbrauch in Pennsylvania im August zur Kenntnis genommen habe. Darin wurden mehr als 300 katholische Geistliche glaubwürdig belastet.

Die Ankündigung der Staatsanwaltschaft kommt wenige Tage, nachdem das Erzbistum Washington mehr als zwei Dutzend Namen von Missbrauchsverdächtigen der letzten 70 Jahre veröffentlichte.

US-Bischöfe gehen in Exerzitien

Derweil wollen sich die US-Bischöfe als Reaktion auf den Missbrauchsskandal zu einwöchigen Exerzitien zurückziehen. Die geistlichen Übungen fänden auf Bitte von Papst Franziskus statt, teilte die US-Bischofskonferenz mit, und zwar in einem Priesterseminar des Erzbistums Chicago vom 2. bis 8. Januar.

Geleitet werden die Exerzitien vom Kapuziner Raniero Cantalamessa, dem Prediger des päpstlichen Hauses. Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Kardinal Daniel DiNardo, hatte vor zwei Wochen mit weiteren Vertretern der Bischofskonferenz mit Franziskus gesprochen.