GESELLSCHAFT

Wenn Mitleid zum „Systemfehler“ wird, hilft das Herz Jesu

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Die Werte unserer westlichen Kultur sind in Gefahr. Was helfen kann, ist eine Rückbesinnung, schlägt Journalist Klaus Hofmeister vor.

Ob Jeans, Rockmusik oder Facebook: Die USA haben jahrzehntelang die kulturellen und technologischen Standards im Westen gesetzt. Aber jetzt geht es ans Eingemachte unserer Werte. Und es wird Zeit, das Herz Jesu wiederzuentdecken.

Die Bilder sind genau kalkuliert. Evangelikale christliche Führer legen beim Morgengebet im Oval Office Präsident Donald Trump die Hände auf. Die göttliche Energie soll den Kriegsherrn stärken. Ihr „staatstragendes“ Christentum setzt auf Ordnung, Autorität, Loyalität. Und das passt zu dem „vibe shift“, dem Stimmungsumschwung, der ganz Amerika erfasst hat.

Die Werte von Gerechtigkeit und Fairness, Mitgefühl mit Opfern und Marginalisierten werden verdächtigt. Stattdessen regieren Härte und Egoismus. Elon Musk sagt, Mitgefühl sei der größte „Bug“, der größte Systemfehler der westlichen Kultur. Bestseller auf dem Buchmarkt tragen Titel wie „The Sin of Empathy – Die Sünde des Mitgefühls“. Einsatz für Menschen mit Migrationshintergrund, für Vielfalt, zerstört nach dieser Lesart die Ordnung Gottes.

Wofür das Herz Jesu steht

Der Autor
Klaus Hofmeister ist katholischer Diplom-Theologe und Redakteur für Kirche und Religion beim Hessischen Rundfunk. Er lebt in Kahl am Main.

Heiner Wilmer, der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, ist Mitglied im Orden der Herz-Jesu-Priester. Das Herz Jesu steht für unbedingte Liebe, Barmherzigkeit und das Mitgefühl Christi für die Menschheit. Es ist ein für mich unausschöpflicher Gedanke, dass in Christus all das ein Echo findet, was in diesem Moment geschieht: das namenlose Leid des Kriegsopfers im Schützengraben, die Machtlosigkeit der vergessenen politischen Gefangenen, natürlich auch die Liebe, die Menschen sich gerade schenken. Im Herzen Jesu ist alles Menschliche da und aufgehoben.

Die Herz-Jesu-Verehrung geht zurück auf das durchbohrte Herz Jesu am Kreuz. Blut und Wasser, die daraus fließen, werden als Zeichen der Liebe verstanden, die sich verschenkt. Es ist ein Herz, das sich öffnet, sich verwunden lässt. Die Herzwunde bleibt Christi Erkennungsmerkmal auch nach der Auferstehung. Wer immer sich abschottet gegen menschliches Leid, wer Härte predigt und Herzen verpanzert, begeht aus christlicher Sicht den eigentlichen „Systemfehler“.

In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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