Mehr Transparenz der katholischen Kirche während des Holocaust

Vatikan-Archive zu Pius XII. sollen 2020 geöffnet werden

Papst Franziskus will in einem Jahr die Akten für die Amtszeit von Papst Pius XII. (1939-1958) freigeben. Die Dokumente der vatikanischen Archive sollten am 2. März 2020, dem 81. Jahrestag der Papstwahl Eugenio Pacellis, für die Forschung zugänglich gemacht werden, sagte Franziskus am Montag im Vatikan. Dies wird von der Forschung seit Jahren verlangt, um Aufschluss über die Haltung von Pius XII. angesichts des Holocausts zu bekommen. Öffentlich zugänglich sind bislang die Archive bis 1939, dem Ende der Amtszeit von Pius XI. (1922-1939).

Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem begrüßte die Ankündigung. Das Material werde eine „objektive und offene Forschung“ zum „Verhalten des Vatikan im Besonderen und der katholischen Kirche im Allgemeinen während des Holocaust“ ermöglichen. Man erwarte, dass Forschern voller Zugang zu allen archivierten Dokumenten gewährt werde. Der Jüdische Weltkongress (WJC) hat die Ankündigung von Papst Franziskus begrüßt, die Akten vollständig freizugeben. Der WJC habe diesen wichtigen Schritt seit langem gefordert, um die vielen offenen Fragen über die Haltung und das Verhalten der Kirche während des Zweiten Weltkriegs zu klären, schreibt WJC-Präsident Ronald S. Lauder in einem am Dienstag in New York veröffentlichten Brief an den Papst.

Papst wolle Erinnerung an Vernichtung der Juden aufrecht erhalten

Franziskus zeige mit dieser Entscheidung, dass er an engen und aufrichtigen Beziehungen zum Judentum interessiert sei, so Lauder weiter. Auch demonstriere der Papst damit, dass er die Erinnerung an die Schoah, die Vernichtung der Juden, lebendig erhalten wolle. „Ich bin sehr dankbar, dass während Ihrer Amtszeit die guten Verbindungen zwischen der Kirche und den Juden weiter gestärkt wurden und dass Sie immer ein offenes Ohr für den Dialog mit der weltweiten jüdischen Gemeinschaft haben“, schreibt Lauder weiter.

Franziskus hatte wiederholt seine Bereitschaft bekundet, die Akten für die Forschung freizugeben, sobald deren Katalogisierung abgeschlossen sei. Die Arbeiten dazu laufen auf Wunsch seines Vorgängers Benedikt XVI. (2005-2013) bereits seit 2006. Wegen des langen Pontifikates von Pius XII. und wegen der Kriegsjahre sind aus seiner Amtszeit sehr viele Dokumente enthalten.

Franziskus: Die Kirche fürchtet die Geschichte nicht

Am Montag empfing Franziskus die Mitarbeiter der Vatikanarchive unter der Leitung von Kurienbischof Sergio Pagano, um den Stand der Arbeiten zu erörtern. „Die Kirche fürchtet die Geschichte nicht, im Gegenteil, sie liebt sie und will sie noch mehr und besser lieben, so wie Gott dies tut“, sagte Franziskus. „Daher öffne ich mit dem gleichen Vertrauen wie meine Vorgänger dieses dokumentarische Erbe und vertraue es den Forschern an.“ Das Wirken Pius XII. werde heute „ins richtige Licht“ gerückt und seine seelsorglichen, theologischen und diplomatischen Qualitäten gewürdigt, so Franziskus.

Seit längerem läuft ein Verfahren zur Seligsprechung Pius XII. 2009 wurde als eine Vorstufe dazu der sogenannte heroische Tugendgrad festgestellt.