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Jesus soll in den 1970ern den Bauauftrag für das Kreuz erteilt haben. Er soll erschienen sein und auch „das Ende“ angekündigt haben. Rom reagiert.
Fast so groß wie das höchste Gebäude der Welt sollte es werden, das „Glorreiche Kreuz“ im nordfranzösischen Dozulé. Den Auftrag für den Bau des 738 Meter hohen Kreuzes soll Jesus selbst gegeben haben. Dessen angebliche Erscheinungen erklärte der Vatikan jetzt allerdings endgültig als nicht übernatürlichen Ursprungs. Papst Leo XIV. billigte das Schreiben der Glaubensbehörde an den zuständigen französischen Bischof am 3. November 2025.
In den 1970er Jahren soll Jesus einer Einwohnerin von Dozulé knapp 50 Mal erschienen sein. Unter anderem forderte er dabei die Errichtung eines 738 Meter hohen, beleuchteten Kreuzes nahe der französischen Kleinstadt in der Normandie. Bereits Anfang der 1980er Jahre sagte der zuständige Bischof von Bayeux-Lisieux, er könne keine Anhaltspunkte dafür erkennen, dass die Erscheinungen authentisch seien.
Streit um kleinere Kreuze
Das Riesenkreuz wurde nie gebaut, dafür verbreiteten sich kleinere Versionen des „Glorreichen Kreuzes“ im Maßstab 1:100. Jesus soll dies bei einer weiteren Seherin angewiesen haben.
Bischöfe distanzierten sich schon damals von den angeblichen Offenbarungen und dem Aufstellen der Kreuze. Mancherorts führten die 7,38 Meter hohen Kreuze zu Rechtsstreitigkeiten unter Nachbarn und mussten entfernt werden.
Der Vatikan sieht einige Inhalte der angeblichen Erscheinungen kritisch. Irreführend sei etwa die in einer angeblichen Botschaft gezogene Parallele zwischen dem französischen Kreuz und dem Kreuz von Jerusalem, an dem Jesus starb. Der Tod Jesu am Kreuz sei einzigartig und unwiederholbar, kein anderes „Zeichen“ des Kreuzes - ob fromm oder monumental - könne auf derselben Ebene betrachtet werden, urteilt die Glaubensbehörde.
Jüngstes Gericht blieb aus
Problematisch sei auch Jesu angebliche Ankündigung des Jüngsten Gerichts durch die Seherin. Laut Botschaft sollte das Riesenkreuz vor Ende des Heiligen Jahres 1975 errichtet werden, dem angeblich letzten der Menschheitsgeschichte. „Es ist offensichtlich, dass diese angebliche Prophezeiung nicht in Erfüllung gegangen ist“, schreibt Kardinal Víctor Manuel Fernández, Leiter des Glaubens-Dikasteriums.
Botschaften, die von einem „bevorstehenden Ende“ oder einem „nahen Datum“ sprechen, könnten unbegründete Erwartungen oder Visionen schüren, die von der christlichen Hoffnung abweichen. Keine private Botschaft könne diesen von Gott festgesetzten Zeitpunkt vorwegnehmen oder bestimmen.
„Das Gebet, die Liebe zu den Leidenden und die Verehrung des Kreuzes bleiben authentische Mittel der Bekehrung“, schreibt das Glaubensdikasterium dem französischen Bischof. Allerdings dürften sie nicht von Elementen begleitet sein, die zu Verwirrung führten.