Einnahmerückgänge von bis zu 45 Prozent befürchtet

Vatikan erwartet schwere Finanzeinbußen durch Corona-Krise

Der Vatikan rechnet durch die Corona-Krise mit Einnahmerückgängen von 25 bis 45 Prozent. Der Leiter des Wirtschaftssekretariates, Juan Guerrero, erklärte am Mittwoch in Rom, man stehe vor „sehr schwierigen Jahren“. Schon vor der Pandemie habe die Zentralverwaltung der katholischen Kirche, der Heilige Stuhl, bezogen auf Gesamtausgaben um die 320 Millionen Euro pro Jahr ein Defizit von 60 bis 70 Millionen Euro erwirtschaftet, sagte er dem Portal "Vatican News". - Haushaltsdaten für den Heiligen Stuhl und die davon getrennte Verwaltung des Vatikanstaates wurden seit 2015 nicht mehr veröffentlicht.

Der seit Januar als Finanzchef amtierende Jesuit Guerrero bezifferte die Einkünfte des Heiligen Stuhls seit 2016 mit konstant etwa 270 Millionen Euro. Als Quellen nannte er Beiträge der katholischen Bistümer weltweit und Spenden sowie Erträge aus Immobilien, in kleinerem Umfang auch Renditen aus Finanzanlagen und Gewinne vatikanischer Einrichtungen. Ein großer Teil der Erträge komme von den Vatikanischen Museen.

Guerrero: Keine Kürzungen bei Löhnen und Bedürftigen

Guerrero verteidigte die Praxis, Erträge aus der Spendensammlung des sogenannten Peterspfennigs für die Kirchenverwaltung zu verwenden. Es sei „nicht gerecht“, dies als ein Stopfen von Haushaltslöchern zu bezeichnen. Die Spenden finanzierten „die Mission des Heiligen Stuhls, die die päpstliche Caritas einschließt“, so der Wirtschaftspräfekt. Die Internetseite der vatikanischen Spendenkampagne gibt vor allem „Werke der Nächstenliebe“ und die Unterstützung der Ärmsten als Spendenzweck an.

Ohne außerordentliche Einnahmen werde es „offensichtlich ein größeres Defizit“ geben, betonte Guerrero; schon im Laufenden Jahr müssten die Ausgaben gemindert werden. Kürzung bei den Löhnen, Hilfen für sozial Bedürftige und notleidenden Kirchen schloss er aus. Man vertraue auf die Spendenbereitschaft der Gläubigen, müsse aber auch zeigen, dass das Geld gut eingesetzt werde.

„Personen vertraut, die kein Vertrauen verdienen“

Mit Blick auf eine Investment-Affäre des Staatssekretariates sagte der Finanzchef, in der Vergangenheit habe der Heilige Stuhl mitunter „Personen vertraut, die kein Vertrauen verdienen“. Durch „mehr Transparenz, weniger Geheimniskrämerei“ seien in der Zukunft Fehler zu verhindern. Zu der Frage, wann wieder eine jährliche Bilanz veröffentlicht wird, sagte Guerrero: „Ich wünschte, das könnte schon dieses Jahr sein.“