VATIKAN

Kamerun-Reise: Gebot der Nächstenliebe gilt laut Papst auch unter Staaten

Anzeige

Es ist die zweite Station der bisher längsten Reise von Leo XIV. Was er den Honoratioren des Landes einschärfte.

Von KNA

Vor dem Hintergrund des verbalen Konflikts mit der US-Regierung hat Papst Leo XIV. seinen Afrikabesuch fortgesetzt. In Kamerun rief er erneut zum Frieden auf. Dabei warb er bei den Regierenden der Welt dafür, das Prinzip der Nächstenliebe auch auf die Beziehungen zwischen Staaten anzuwenden. 

„Regieren bedeutet, das eigene Land und auch die Nachbarländer zu lieben; auch in den internationalen Beziehungen gilt das Gebot: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, sagte das Kirchenoberhaupt am Mittwoch in einer Rede in Kameruns Hauptstadt Yaoundé. Der Wille zum Frieden müsse allen Einzelinteressen übergeordnet werden.

Der Papst äußerte sich im Kongresszentrum von Yaoundé in Gegenwart von Staatspräsident Paul Biya, Regierungsmitgliedern, Vertretern der Zivilgesellschaft und des Diplomatischen Corps. Ausführlich erinnerte der Leo XIV. an Spannungen und Gewalttaten, die in einigen Regionen Kameruns großes Leid verursachten. Vor dem Hintergrund von verbreiteter Korruption forderte er zudem „Transparenz bei der Verwaltung öffentlicher Mittel und die Achtung der Rechtsstaatlichkeit“.

Kamerun – einst ein Hort der Stabilität in Westafrika – leidet seit Jahren unter Regional-, Sprach- und Religionskrisen. In nördlichen Landesteilen bedroht die islamistische Terrormiliz Boko Haram die Bevölkerung, während die englischsprachige Minderheit des mehrheitlich französischsprachigen Staates systematisch unterdrückt wird.

Autoritärer Langzeit-Staatschef

Zudem wird Staatschef Biya ein autoritärer Regierungsstil vorgeworfen. Der 93-Jährige ist seit 1982 an der Macht und damit das derzeit am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt. Zuletzt wurde er im Oktober 2025 im Amt bestätigt; bei Protesten rund um die Wahl kamen laut UN-Angaben mindestens 48 Menschen ums Leben, zahlreiche politische Gegner sind in Haft.

Beobachter erhoffen sich deshalb eine positive Wirkung durch den Papstbesuch. Aus Sicht von Léon Yanda, Direktor von Misereor-Partner „Codas Caritas“, kann dadurch ein Dialog entstehen. Auch die Freilassung politischer Gefangener im Rahmen der Papstreise sei möglich, sagte Yanda der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Zuvor hatte der Papst Algerien besucht. Innerhalb von zwei Tagen absolvierte Leo XIV. zahlreiche Termine in Algier und in Annaba, der zweitgrößten Stadt des Landes. Im Mittelpunkt stand dabei vor allem der Dialog zwischen Muslimen und Christen, die in Algerien eine Minderheit bilden.

Trump-Kritik kein Thema mehr

Auf dem Flug von der algerischen Hauptstadt Algier nach Yaoundé machte er sich zudem für Einheit und Respekt unter allen Völkern stark. Es gelte, Brücken zu bauen und den Dialog aller Menschen zu fördern. Fragen von Journalisten waren nach dem knapp vierminütigen Statement nicht zugelassen. Anders als zu Beginn der Reise am Montag waren die Verbalattacken von US-Präsident Donald Trump sowie die daraufhin weltweit ausgelöste Debatte auf dem Flug diesmal kein Thema.

Im Unterschied zu Algerien ist Kamerun ein mehrheitlich christliches Land. Rund 70 Prozent der gut 30 Millionen Einwohner bekennen sich zum Christentum, wobei die Katholiken die Mehrheit stellen. In Kamerun wird der Papst bis Freitag bleiben. Für Donnerstag ist ein Besuch in der Konfliktzone im Nordwesten des Landes geplant.

Weitere Stationen der Afrikareise Leos XIV. sind bis 23. April Angola und Äquatorialguinea. Es ist die bisher längste Reise des Oberhaupts von rund 1,4 Milliarden Katholiken, der als erster gebürtiger US-Amerikaner das Papstamt innehat.

Anzeige

Komplet - der Abend-Newsletter von Kirche+Leben

JETZT KOSTENLOS ANMELDEN



Mit Ihrer Anmeldung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.