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Einige Diözesanbischöfe traten zuletzt vorzeitig zurück. Das Bischofsamt muss wieder attraktiver werden, sagt Thomas Schüller.
Ludwig Schick (Erzbistum Bamberg), Gregor Maria Hanke (Bistum Eichstätt), Karl-Heinz Wiesemann (Bistum Speyer) und nun Heinrich Timmerevers (Bistum Dresden-Meißen) – in Deutschland und nicht nur hier gehen immer mehr Diözesanbischöfe vor dem 75. Lebensjahr aus zumeist gesundheitlichen Gründen, aber auch aus Erschöpfung und fehlender Kraft zur täglichen Bewältigung der komplexen Amtsaufgaben in den Ruhestand. Ein Alarmzeichen. Die Gründe sind vielgestaltig und nicht monokausal.
Theologisch ist das Bischofsamt auf dem II. Vatikanum dem Modell des Papstamtes als absolutistischer Wahlmonarch nachgebildet worden. Das generiert eine Allzuständigkeit und Entscheidungsmacht, die erschlagen kann. Hinzu kommt die lange Amtsdauer bis zum 75. Lebensjahr, einem Alter, in dem die seelischen und körperlichen Kräfte nachlassen.
Verliert das Bischofsamt seinen Reiz?
Der Autor
Thomas Schüller ist Direktor des Instituts für Kanonisches Recht an der Universität Münster und Mitglied des Synodalen Ausschusses.
Und der Dienst der Einheit, den ein Bischof leisten muss, wird immer schwieriger. Zu sehr leben die diversen katholischen Gruppen in ihren eigenen Blasen und gerieren sich als alleinseligmachendes Maß aller katholischen Unfehlbarkeit. Das Pochen auf den eigenen „katholischen Vogel“ verhindert ein Hinhören auf das Gute, was der Mitchrist sagt und lebt.
Und dann kommt der drastische Rückgang an Gläubigen und Finanzen hinzu, der radikale Maßnahmen erfordert. Und als wäre das alles noch nicht genug, bleibt der Schrei der Opfer sexualisierter und geistlicher Gewalt, der die Bischöfe bis ins Mark trifft. Von daher wird verständlich, warum aktuell ein Drittel der designierten Bischöfe Rom zurückmeldet, nicht Bischof werden zu wollen. Das Bischofsamt hat für kluge priesterliche Männer augenscheinlich an Reiz verloren.
Neue Prioritäten für Bischöfe
Was ist zu tun? Selbst die bodenständigen Orden wie die Benediktiner wählen inzwischen mehrheitlich ihre Äbte und Äbtissinnen auf Zeit. Joseph Ratzinger hat mit seinen Tübinger Kollegen schon Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts gefordert, die Amtszeit der Diözesanbischöfe auf acht Jahre zu begrenzen mit der einmaligen Chance zur Wiederwahl. Er selbst hat als Papst die Reißleine gezogen und ist wegen abnehmender Kräfte zurückgetreten. Damit hat er einen bewundernswerten Dienst am Papstamt geleistet, um es lebbar zu machen.
Theologisch und kirchenrechtlich sollte man auch das Bischofsamt von nicht notwendigen Entscheidungsbefugnissen entrümpeln. Prioritär sind Verkündigung des Evangeliums, der Dienst an den Armen und an der Einheit, die nicht sterile Uniformität meint, der Diözese, die ihm anvertraut wurde. Mehr braucht es nicht und ist anspruchsvoll genug.
In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.