CDU-Vize wirft Polen mangelnde Solidarität mit Flüchtlingen vor

„Vielleicht hätte Papst Johannes Paul II. mehr erreicht“

CDU-Vize Armin Laschet hat der polnischen Regierung mangelnde Solidarität mit Flüchtlingen vorgeworfen. In einem Interview mit Kirche+Leben (Ausgabe von Sonntag, 28.08.2016) sagte Laschet: „Es gibt zum Beispiel weiterhin keine Bereitschaft im katholischen Polen, eine nennenswerte Zahl an Flüchtlingen aufzunehmen.“ Es sei „schon erstaunlich“, dass auch der Appell von Papst Franziskus Ende Juli so wenig bewirkt habe, erklärte Laschet. „Vielleicht hätte der verstorbene Papst Johannes Paul II. als Pole mehr erreicht.“

Laschet teilte nicht die Sorge, die Regierung der Türkei könnte das Flüchtlingsabkommen mit der EU als politisches Druckmittel nutzen und womöglich aufkündigen. Er verwies auf Vorteile des Abkommens für das Land: „Seit Ausbruch des Syrien-Krieges 2011 hat Ankara die Versorgung der drei bis vier Millionen Flüchtlinge in der Türkei allein getragen.“ Jetzt bekomme die Türkei Hilfen von der EU.

Der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende zeigte sich zuversichtlich, dass der Wert der Solidarität in Europa Zukunft hat. Der beschlossene „Brexit“ zeige, wie es einem Land schade, nur an sich selbst zu denken: „Nun stellen die Briten fest, was ihnen nach dem EU-Austritt fehlen wird“, erklärte Laschet. Das schrecke auch Austritts-Befürworter in Polen, Ungarn oder Tschechien auf. „Sie merken, was auf dem Spiel steht“, sagte der CDU-Politiker, der Oppositionsführer im nordrhein-westfälischen Landtag und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist.