Schwester Ethel Maria Kollenberg bildet für ein halbes Jahr angehende Lehrerinnen in Afrika aus

Von der Berufsschule in Vechta in die Dorfschule in Uganda

Ein Baum. Darunter ein Dach aus Wellblech. Sonst nichts. Schwester Ethel Maria lacht. „Das war damals die Schule in Buseesa.“ Damals – vor sieben Jahren. Bei einem Arbeitseinsatz in Uganda, der das Leben der 45-jährigen Schwester verändern sollte.

Mit Schülern ihrer damaligen Schule in Coesfeld half sie drei Wochen beim Bau, schleppte Steine. Heute steht dort ein Schulgebäude mit sechs Klassen und vier Mitschwestern im Lehrbetrieb.

Eigentlich nicht der Typ für Mission

Begeistert in Buseesa – damals habe die Generaloberin ihr eine dauernde Stelle als Lehrerin dort angeboten.  „Ich bin grundsätzlich nicht der Typ für die Mission“, habe sie gesagt. „Aber wenn man mir dort Arbeit auf Zeit anbietet – ich würde sofort zusagen.“ 

Das Angebot kam jetzt – sie sagte zu. Von ihrer Schule in Vechta, der Berufsbildenden Schule Marienhain, hat sie sich verabschiedet, gerade ist sie von Hamburg über Brüssel nach Entebbe in Uganda geflogen. Sie bleibt für ein halbes Jahr. Um dort an einer Schule des Ordens als Religionspädagogin junge einheimische Schwestern auszubilden, die Lehrerin werden wollen. Erst in Uganda, später in Tansania und Kenia.

Länder mit Schulpflicht, deren Sinn vielen Menschen nicht klar sei. „Wenn auf dem Feld zu tun ist, kommen die Kinder auch mal nicht. Nach der Grundschule ist oft Ende.“
Die Schwestern haben nach ihrem Eindruck auch noch eine besondere Aufgabe: Mädchen zur Studierfähigkeit zu führen. Und ihnen überhaupt die Möglichkeit zum Schulbesuch zu bieten. Etwa durch ein Internat. „Die Schule in Buseesa liegt ja mitten im Busch, da geht es gar nicht anders.“

Arbeiten wie die Schwestern vor 150 Jahren

Schwester Ethel fühlte sich schon bei ihrem ersten Afrika-Aufenthalt an die Gründungszeit ihrer Gemeinschaft vor 150 Jahren erinnert. Sie weiß: Die leistete damals in Westfalen, am Niederrhein und in Oldenburg auf dem Land die gleiche Arbeit.

Für ihre neue Arbeit hat sie sich intensiv fortgebildet. In Religionspädagogik, einem Fach, dass sie schon in Vechta unterrichtet habe, neben Mathematik, Religion und Naturwissenschaften.

Zwei Sätze als Antwort

In einem zwei Seiten langen Brief habe sie den Schwestern in Afrika ihre Ausbildung und ihre Motive geschildert, dafür lange überlegt und formuliert. Heute lacht Schwester Ethel über ihren Aufwand.

Sie erinnert sich: „Als Antwort kam einfach ein Brief von zwei Sätzen: Du bis ja vielseitig begabt. Herzlich willkommen bei uns!“ Planen und organisieren – das geschehe bei ihren Mitschwestern in Buseesa wohl ganz entspannt „auf afrikanisch“.

In Afrika findet sie eine Art Heimat

Leben in Afrika auf Monate – wie stellt sie sich darauf ein? Kein großes Problem, findet Schwester Ethel. „Am Flughafen in Entebbe holt mich eine deutsche Mitschwester ab, die in Buseesa arbeitet.“ Und dann: „Ich reise zwar um die halbe Welt, komme aber in unserer Niederlassung zu Menschen, die nach den gleichen Grundsätzen leben wie ich, es ist wie eine Heimat.“

Das habe sie auch der Berufsschulklasse in Vechta vermittelt, für die sie Klassenlehrerin war. Die Schülerinnen und Schüler waren zunächst völlig überrascht von ihrem Entschluss, manche nannten sie „sehr mutig“.

Dieses Leben auf Zeit bei Mitschwestern mit dem gleichen Lebensstil, eine Art Heimat in Afrika, habe die Jugendlichen aber ins Nachdenken gebracht. „Zum Abschied haben sie mir ein Tagbuch geschenkt“, berichtet Schwester Ethel, „mit einem Elefanten drauf.“ Denn die seien in Uganda noch weit verbreitet.

Schwestern Unserer Lieben Frau
Die Gemeinschaft der Schwestern Unserer Lieben Frau von Coesfeld wurden 1850 gegründet. Sie setzen sich die höhere Schulbildung von Mädchen zum Ziel. Nach eigenen Angaben sind sie weltweit in 19 Ländern tätig und zählen etwa 2000 Schwestern. Ihr Durchschnittsalter liegt in Deutschland bei 79 Jahren, in Afrika bei 35.