Kommentar von Martin Schmitz zum Miteinander in der Kirche

Von halben Seelsorgern und einem ehrlichen „Nein“

Immer weniger Seelsorger müssen immer mehr Aufgaben übernehmen. Gut, dass das Bistum in Sachen Pfarreileitung Experimente wagt, meint unser Redakteur Martin Schmitz. Wichtig ist für ihn dabei aber ein ehrliches Miteinander.

„Ich kann mich doch nicht zerreißen“, sage ich, wenn es mir an Aufgaben zu viel wird. Wenn der Terminkalender durch berufliche, ehrenamt­liche und private Verpflichtungen zu platzen droht. Dann ist es an mir, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen, damit es nicht ­­­­­mich zerreißt. Dann muss ich ehrlich zu mir sein und mich auch mal von liebgewonnenen Aufgaben verabschieden.

Spannend finde ich daher die Personalmeldungen der hauptamtlichen Seelsorger des Bistums Münster, die wir regelmäßig für unsere User auf „Kirche-und-Leben.de“ veröffentlichen. Immer wieder lese ich dort „XY übernimmt zusätzliche Aufgaben in …“ oder ähnliche Formulierungen.

Hier Präses, dort Subsidiar und noch ganz woanders Vorsitzender

Auch meine Heimatpfarrei hat nur noch einen halben leitenden Pfarrer – die andere Hälfte leitet eine Nachbarpfarrei. Andere Seelsorger teilen ihre Arbeitszeit auf Pfarrei und Schule oder Generalvikariat und Pfarrei auf, sind hier Präses, dort Subsidiar und noch ganz woanders Vorsitzender von. Ich habe großen Respekt vor denjenigen, die das alles unter einen Hut bekommen.

Die schrumpfende Personaldecke im Bistum Münster lässt erahnen: Derartige Mehrfachverpflichtungen von Seelsorgern werden zunehmen. Da stimmt es positiv zu lesen, dass die Bistumsleitung in Sachen Gemeindeleitung Experimente wagt. Immer öfter setzen die Verantwortlichen auf Leitungsteams, die sich Verantwortung und Aufgaben teilen.

Im geschwisterlichen Miteinander hat Kirche Zukunft

Da kommt mir das Wort der deutschen Bischöfe von 2015 wieder in den Sinn: „Gemeinsam Kirche sein“. Das finde ich in der aktuellen Situation sehr wichtig. Es darf bei aller Experimentierfreude in der Gemeindeleitung nicht darum gehen, bestimmt Aufgabenbereiche auf „die Anderen“, „die Laien“, „die Ehrenamtlichen“ abzuwälzen. Im offenen und fairen Dialog müssen wir gemeinsam unsere Gemeinde und unsere Kirche in der Welt gestalten.

Dazu gehört auch, dass ich ehrlich „Nein“ sagen kann, wenn ich mich einer Aufgabe nicht gewachsen fühle oder wenn es mir zu viel wird. Egal, ob ich mich als Haupt- oder Ehrenamtlicher einbringe. Nur, wenn wir dieses ehrliche geschwisterliche Miteinander erreichen, hat Kirche in meinen Augen Zukunft.