Coming soon: Login KLup

Chefredakteurin Annette Saal zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen

Von transparent bis schleierhaft

Die Anstrengungen der Bistümer zur Aufklärung des Missbrauchsskandals könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Erzbistum Köln hat seinen Bericht verschoben und neu beauftragt, das Bistum Aachen ist hingegen an die Öffentlichkeit gegangen. Entschiedenheit und Transparenz sind indes unabdingbar, meint Annette Saal, Chefredakteurin der Wochenzeitung "Kirche+Leben". 

Das Gutachten über den Umgang mit Missbrauchsfällen im Bistum Aachen hat Erschreckendes ans Licht gebracht. Bekannte Namen bewahren nicht vor der Erkenntnis der Gutachter: Der Schutz der Täter sei für die Verantwortlichen wichtiger als die Fürsorge für die Opfer gewesen.

Erschütternd die Zahlen der Betroffenen, unvorstellbar die Schicksale, die sich dahinter verbergen. Nimmt es da wunder, dass auch im Bistum Aachen unerklärbare Lücken in der Aktenlage festgestellt wurden? Dass das Vorgehen der Münchner Anwälte auf Kritik stieß wie im Erzbistum Köln?

Aachen, Köln und die Unterschiede

Augenfällig ist, dass beide Bis­tümer – Aachen und Köln – auf höchst unterschiedliche Weise mit ihren Erkenntnissen umgehen. Der misslungene Versuch einer transparenten Aufarbeitung im Erzbistum Köln ist noch allzu gut im Gedächtnis. Dort hat das peinliche Hin und Her Fragen und Kopfschütteln ausgelöst: Was hat es mit den methodischen Mängeln des Gutachtens auf sich? Warum überhaupt die immense Verzögerung – immerhin sollte die Untersuchung bereits im März dieses Jahres abgeschlossen sein. Ganz zu schweigen vom Umgang mit dem Betroffenen-Beirat. Da fühlten sich einige geradezu überrannt, sodass ihnen keine Zeit blieb, Entscheidungen zu reflektieren.

Auf der anderen Seite das Bistum Aachen: Hier treffen die so häufig bemühten Begriffe „schonungslos“ und „transparent“ offenbar wirklich zu.  Die Ergebnisse des Gutachtens wurden per Video-Konferenz präsentiert. Der amtierende Aachener Bischof Helmut Dieser hatte alle Gläubigen seiner Diözese eingeladen, den frei zugänglichen Live-Stream zu verfolgen. Der Bischof und sein Generalvikar Andreas Frick nahmen daran als Gäste teil. Zuvor waren sie laut Bistum nicht über die Inhalte der Untersuchung unterrichtet worden.

Nur so kann die Vergangenheit glaubwürdig aufgearbeitet werden. Nur so werden Verantwortliche benannt. Nur so hat die Kirche eine Chance, wieder ernstgenommen zu werden. Aktenlücken und Verzögerungs-Taktik machen Schlimmes nur noch schlimmer.

Drucken
Anzeige
Anzeige
  • Kampanile - Medieagentur