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Straßenprediger begeisterte in der Nachkriegszeit die Menschen

Vor 25 Jahren starb Pater Leppich – das „Maschinengewehr Gottes“

Pater Johannes Leppich war Sohn eines Zuchthausaufsehers und Jesuit. Der bekannte und umstrittene Prediger wetterte in Fußballstadien, auf der Reeperbahn und öffentlichen Plätzen gegen ein „verfettetes Christentum“. Heute vor 25 Jahren starb Leppich in Münster.

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Als Sohn eines Zuchthausaufsehers 1915 im oberschlesischen Ratibor geboren, trat Johannes Leppich als 20-Jähriger in Mittelsteine/Schlesien in den Jesuitenorden ein. Sein Ziel war, die religiös entwurzelten Massen wieder mit der Botschaft Christi in Kontakt zu bringen. Dazu halfen ihm seine außergewöhnliche Begabung, ein unvergleichliches Gespür für die Fragen der Gegenwart und seine Rhetorik.

Bis 1933 war Leppich Mitglied der Hitlerjugend. Nach ständigen Disputen über Politik empfahl ihm sein Religionslehrer, lieber geistliche Exerzitien nach dem Ordensgründer der Jesuiten, Ignatius von Loyola, zu machen. Leppichs Reaktion: „Ich bin aus der Hitlerjugend direkt umgestiegen in den Jesuitenorden.“

 

Kriegsjahre in Schlesien

 

Leppich, der in den letzten Kriegsjahren als Jugendseelsorger in Schlesien wirkte, erlebte die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Die Not der Menschen erlebte er hautnah, zum Beispiel als Seelsorger für deutsche Frauen in einem Zwangsarbeiterlager und in der Betreuung von Vertriebenentransporten in der Nachkriegszeit. Später betreute er Vertriebene im Übergangslager Friedland.

Die Not der Mensch bestimmte seinen weiteren Lebensweg. Er predigte öffentlich, wo er konnte. Der Jesuitenorden schrieb später über ihn, er sei kein Prediger gewesen, sondern ein Straßenredner.

 

Auto-Dach war seine Kanzel

 

Das Dach seines Autos war Leppichs Kanzel. „Das Evangelium ist nun mal kein Schlafpulver, sondern Dynamit“, lautete sein Wahlspruch. Als Seelsorger in schwierigen Verhältnissen oder im Gefängnis erkannte er: „Ich muss an ein Publikum heran, das keinen Weihrauch mehr riechen kann, was in keine Kirche geht.“

Der Jesuitenpater wetterte in Fußballstadien, auf der Reeperbahn und anderen öffentlichen Plätzen gegen ein „verfettetes Christentum“. Er geißelte die Wohlstandsgesellschaft, die Sex-Werbung auf Plakaten, Prostitution und ganz allgemein die „Bestie Sexualität“.

 

Gegen Sex-Werbung

 

Seine Wortwahl war bildreich und ordinär. Rasch bekam er den Spitznamen „Maschinengewehr Gottes“. Bis zu 40.000 Zuhörer kamen zu seinen Ansprachen. Auch sprach er 1953 drei Mal in Münster.

„Kirche+Leben“ berichtete über seine Auftritte eher zurückhaltend: „Wer Sensationen erwartet hatte, als Pater Leppich an drei Abenden vor insgesamt 70.000 bis 80.000 Menschen auf dem Domplatz in Münster sprach, wurde enttäuscht. Das, was der Jesuit in seinen großen Abendvorträgen sagte, war nichts anderes als eine Predigt über die Christenpflichten in der modernen Zeit.“

 

Einsammeln von Spenden

 

Das Grab von Pater Johannes Leppich im Park Sentmaring in Münster. | Foto: Johannes Bernard
Das Grab von Pater Johannes Leppich im Park Sentmaring in Münster. | Foto: Johannes Bernard

Zugeben musste der Verfasser des Berichts aber die Wirkung, die der Pater auf die Menschenmassen hatte. Zahlreiche Zuhörer spendeten spontan und dann regelmäßig Geld: „Mein Geld tut nichts zur Sache“, schrieb eine allein stehende Rentenbezieherin. „Ich bekomme monatlich nur 70 DM. Aber ich will gerne auf 5 DM verzichten, damit sich eine noch ärmere allein stehende Frau ab und zu mit einer Tasse Kaffee eine Freude machen kann.“

Die hagere Gestalt von Pater Leppich, der immer im schwarzen Ordensgewand auftrat, gab das Bild eines modernen Propheten ab. Neben Zuspruch erntete er auch heftige Kritik. An manchen Orten erteilten Bischöfe ihm Redeverbot, zum Teil auch wegen seiner ordinären Wortwahl.

 

Gründung von Pater-Leppich-Kreisen

 

Kleine Gruppen von Aktivisten, so genannte „Pater-Leppich-Kreise“ wuchsen zu der großen Laienbewegung „Aktion 365“. Bis 1968 gab es etwa 2000 Teams in 33 Ländern. „Es war ein harter Schlag für Pater Leppich, dass es 1971 zu einer Spaltung der Aktion 365 kam. Er konnte sich nur schwer damit abfinden“, sagten später Mitbrüder aus dem Orden.

Gesundheitlich geschwächt trat der „schmächtige Vagabund Gottes“ seit Anfang der 1970er Jahre kürzer. Mit 74 Jahren zog er sich 1989 in das damalige Altenheim der Jesuiten in Münster zurück. Er starb am 7. Dezember 1992 im Alter von 77 Jahren. Sein Grab befindet sich im Park Sentmaring im Geistviertel von Münster auf dem früheren Gelände von Haus Sentmaring, das 2002 von den Jesuiten aufgegeben wurde.

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