Münster stimmt über verkaufsoffene Sonntage ab

Vor Bürgerentscheid: Verbände pochen auf Sonntagsschutz

Vor dem Bürgerentscheid über verkaufsoffene Sonntage in Münster mahnen katholische Verbände einen konsequenten Sonntagsschutz an. Sie verweisen auf das Grundgesetz und die nordrhein-westfälische Landesverfassung. Zudem betonen sie den Wert eines gemeinsamen Ruhetags.

„Der Sonntag steht unter dem Schutz des Grundgesetzes“, sagt Marlies Jägering, Vorsitzende des Stadtverbands Münster der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), im Gespräch mit Kirche+Leben. Die KAB gehört zu den Initiatoren des Bürgerentscheids am Sonntag (6. November) in Münster.

„Ich muss sonntags keine Bluse kaufen“

Natürlich müsse es Menschen geben, die am Sonntag arbeiten, etwa in Krankenhäusern. „Aber Geschäfte, in denen ich eine Bluse kaufen kann, gehören nicht dazu“, betont die KAB-Frau. Im Vergleich zu den Anliegen von Arbeitnehmern und Familien stünden immer mehr „wirtschaftliche Interessen im Vordergrund“.

„Wir haben sogar den Eindruck, dass inzwischen Anlässe und Feste neu erfunden werden, um den Rahmen für verkaufsoffene Sonntage voll auszunutzen“, kritisiert Jägering. Auch deshalb wolle die Initiative die Bürger über die Sonntage entscheiden lassen.

Familienbund: Gemeinsamer Ruhetag – Zeit für die Familie

Der Familienbund der Katholiken im Bistum Münster wendet sich ebenso gegen eine Ladenöffnung und gegen Arbeitszeiten am Sonntag. Geschäftsführerin Sigrun Jäger-Klodwig sagt, es sei wichtig, einen gemeinsamen Ruhetag zu haben, an dem die Familie Zeit füreinander habe. Diese Zeit dann mit Shopping auszufüllen, sei nicht nötig, so Jäger-Klodwig im Gespräch mit Kirche+Leben: „Man kann seine Freizeit auch gestalten, ohne Geld auszugeben.“

Da die Familienmitglieder durch Beruf, Kita und Schule stark eingespannt seien, werde es immer schwieriger, gemeinsame Zeiten zu finden. „Daher ist ein gesellschaftlich festgelegter Ruhetag notwendig“, betont die Verbandsgeschäftsführerin.

Bürgerentscheid am Sonntag

Die Münsteraner stimmen am Sonntag darüber ab, ob ein Ratsbeschluss aufgehoben werden muss. Der Beschluss legt verkaufsoffene Sonntage bis ins Jahr 2019 fest – darunter den zweiten Advent. Wer weniger verkaufsoffene Sonntage will, muss die Abstimmungsfrage also mit Ja beantworten.

Ende vergangener Woche hatte bereits Weihbischof Stefan Zekorn gemahnt, Ausnahmen vom arbeitsfreien Sonntag zu begrenzen. Der Regionalbischof für die Region Münster/Warendorf rief ebenso wie das Stadtkomitee der Katholiken dazu auf, beim Bürgerentscheid mit abzustimmen.