Aktion „Angegrillt! Nichts ist heißer als Politik!“

Vor der NRW-Landtagswahl: Jugend entscheidet am Würstchengrill

Eine Wahl ist bereits entschieden worden – am Würstchengrill. „Angegrillt! Nichts ist heißer als Politik!“ hieß die Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ) im Bistum Münster. An zwei Tagen stellten sich Politiker der NRW-Landtagsparteien sowohl an einen Grillrost vor der Jugendkirche effata! in Münster als auch den Fragen junger Menschen. Zum Schluss konnten die Teilnehmer in geheimer Wahl ihre Stimme für die vertretenen Parteien abgeben.


Kimberly Schilling (18) aus Sendenhorst-Albersloh:
„Ich gehe wählen, weil ich mitgestalten und mitwirken will. Alles, was sich um Zukunft dreht, ist wichtig. Wir müssen schauen, wie unsere Gesellschaft künftig aussieht.“ | Foto: Michael Bönte

Die Mittagspause verlief für die Schüler des bischöflichen Gymnasiums Marienschule und des Berufskollegs Hildegardisschule in Münster dabei völlig anders als sonst. Freigetränke und Grillwürstchen erwarteten sie, nebst vielen Informationen über die angetretenen Parteien und ihre Vertreter. Allein diese Atmosphäre begeisterte Astrid Sammtleben, Lehrerin einer zwölften Klasse der Hildegardisschule. „Das Format ist klasse – längst nicht so trocken wie eine Podiumsdiskussion in der Schul-Aula.“

Direkt aus dem Leben

Zum Format gehörte, dass sich die Politiker an den Grill stellten, um die Schülerinnen und Schüler mit Würstchen zu versorgen. Dabei beantworteten sie Fragen, die den Jugendlichen unter den Nägel brennen. Und die kamen oft direkt aus deren Leben. Die Frage „Machen Sie sich bei der Legalisierung von Cannabis keine Gedanken um die Gesundheit der Bürger?“ ging etwa an Daniel Dünge von der Piraten-Partei. „Was halten Sie vom Abitur in nur acht Jahren?“ musste Thomas Marquardt von der SPD beantworten. Und Josefine Paul von den Grünen sollte ihre Position zum Mindestlohn erläutern.


Vincent Nientied (20) aus Münster:
„Ich gehe wählen, weil ich als Bürger mitbestimmen möchte, was in meinem Land passiert. Im Augenblick interessiert mich vor allem die Integration von Flüchtlingen. Mir ist es wichtig, dass dort mehr Personal zur Verfügung steht.“ | Foto: Michael Bönte

„Das sind halt unsere Themen“, sagte Sophie Rundle. Die 18-jährige Schülerin aus Münster musste zwar eingestehen, dass die zweistündige Aktion nicht ausreichte, um ihr einen vollständigen Überblick über die Wahlprogramme der Parteien zu verschaffen. Bei einzelnen Antworten habe sie aber genau hingehört. „Wenn es um unsere Zukunft geht, um unsere Berufs-Chancen und um mögliche Unterstützung bei der Ausbildung.“

Nahbare Politiker

Genau das war das Ziel der Veranstaltung, sagte Kerstin Stegemann, Landesvorsitzende des BDKJ in NRW. „Ganz einfach, in der Lebenswelt der Jugendlichen, mit ihrer Atmosphäre.“ Liegestühle auf der Wiese vor dem Grill gehörten genauso dazu wie die gemütliche Runde am Tisch im benachbarten Schülercafé Lenz. „Der Rest kommt von den Schülern.“ Denn deren politisches Interesse sei nicht erst durch die internationalen Krisen sowie aktuellen Flüchtlings- und Sicherheitsfragen geweckt worden. „Das Interesse ist immer vorhanden, braucht aber einen Raum, in dem es auf die eigenen Belange heruntergebrochen werden kann.“


Rieke Feiler (18) aus Altenberge:
„Ich gehe wählen, weil ich hier lebe und mitverantwortlich dafür bin, wie es in unserem Land aussieht. Für mich persönlich zählen vor allem Fragen der Tierhaltung und der Bildung.“ | Foto: Michael Bönte

Der Raum rund um die glühende Grillkohle war wie gemacht dafür. Zumal die Rollenverteilung einer Kontaktscheu keine Chance ließ. Wer Würstchen grillt, ist nahbar und nicht mehr der entfernte Politiker vom Wahlplakat.

Nur ein kleiner Teil der Teilnehmer wird bei den Landtagswahlen in NRW am 14. Mai bereits 18 Jahre alt sein und ein Kreuzchen auf den Wahlzettel machen dürfen. Alle anderen waren am Ende der Veranstaltung aufgefordert, ihre Wahl zumindest im kleinen Rahmen zu treffen. Die Zettel der etwa 100 Schüler wird der BDKJ in Münster jetzt auswerten. Repräsentativ wird das Ergebnis nicht sein. Wohl aber zeigen, dass diesen jungen Menschen die große Politik nicht egal ist.