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Rechtsextreme und antisemitische Vorfälle nehmen zu. Was Christen dagegen unternehmen sollten, erklärt Verena Pfaff.
Schüler klettern im ehemaligen Krematorium der KZ-Gedenkstätte Buchenwald in Verbrennungsöfen, um Selfies zu schießen. Sie zeigen den Hitlergruß, beschmieren Wände mit Hakenkreuzen und beschädigen Gedenktafeln – das sind Meldungen aus der letzten Zeit, die mich fassungslos zurücklassen.
Und sie sind längst keine Einzelfälle mehr: Eine Recherche der ARD zeigte im Frühjahr, dass rechtsextreme und antisemitische Vorfälle an Orten des Erinnerns immer häufiger werden. Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald setzt mittlerweile Präventionsteams ein, die während der Besuchszeiten über das Gelände gehen und solches Verhalten unterbinden sollen. Wie kann es sein, dass das notwendig geworden ist? Und viel wichtiger noch: Was können wir diesen Vorfällen entgegensetzen?
Selbst Buchenwald kann mahnende Wirkung verlieren
Die Autorin
Verena Pfaff studiert den Master „Christentum in Kultur und Gesellschaft“ in Münster. Neben ihrem Studium absolvierte sie eine Journalismusausbildung am Institut für publizistische Ausbildung.
Wer an einem Ort wie Buchenwald den Hitlergruß zeigt, verletzt nicht nur die Würde der Opfer. Er stellt die Grundwerte unserer Demokratie infrage. Gedenkstätten erinnern nicht allein an vergangenes Unrecht und Leid. Sie erinnern daran, wohin Menschenverachtung, Rassismus und Antisemitismus führen können.
Erinnerungskultur ist kein Automatismus. Sie muss immer wieder neu vermittelt und aktiv gestaltet werden. Wo historische Bildung schwindet und rassistische und antisemitische Ideologien wieder Anschluss finden, kann selbst ein Ort wie Buchenwald seine mahnende Wirkung verlieren.
Verantwortung übernehmen
Doch was bedeutet Erinnern eigentlich? Für Christinnen und Christen etwa gehört Erinnern zum Kern des Glaubens. Dieses Verständnis trägt auch über den religiösen Kontext hinaus. Erinnerung ist mehr als ein Blick zurück: Sie macht Geschichte in der Gegenwart wirksam und ruft dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. Sie fordert dazu heraus, Unrecht zu benennen und Haltung zu zeigen.
„Nie wieder!“ – ein Satz, der auf befreite Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald zurückgeht und zu einer zentralen Mahnung der deutschen Erinnerungskultur geworden ist – darf keine Floskel werden. Wir müssen ihn als Auftrag verstehen, als „Nie wieder ist jetzt!“. Dieser Auftrag richtet sich nicht nur an Politik oder Orte der Erinnerung. Er beginnt im Alltag: indem wir Antisemitismus und Rassismus widersprechen, Menschenfeindlichkeit entgegentreten und die Würde jedes Menschen verteidigen.
„Niemand soll dich wegen deiner Jugend geringschätzen!“, ermutigt der 1. Timotheusbrief (4,12) seinen Empfänger Timotheus. Und in der 1.500 Jahre alten Benediktsregel rät der heilige Benedikt, bei wichtigen Dingen alle Brüder anzuhören, „weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist“ (RB 3,3). Darum kommen in unserer Rubrik „Der junge Kommentar“ ausdrücklich Autor:innen unter 30 Jahren mit ihrer persönlichen Meinung zu einem selbst gewählten Thema zu Wort. Sie sind ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.