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14 Meter lang, neun Meter breit, hunderte Kilo schwer: Was die lebensgroße Skulptur eines Buckelwals im St.-Viktor-Dom soll.
„Den Xantener Dom gibt es seit 1.300 Jahren. Und er hat seitdem sicherlich schon viel zu sehen bekommen. Ein Wal war bisher nicht dabei“, sagt Propst Stefan Notz. Staunend blickt er auf den grauen Koloss, der gerade in der Mitte von St. Viktor Gestalt annimmt. „Der passt hier ja so gerade rein.“
Bei der 14 Meter langen und neun Meter breiten Skulptur handelt sich um das Kunstwerk „The Cast Whale Projekt“ des israelischen Künstlers Gil Shachar. Es zeigt den Abguss eines lebensgroßen Buckelwals, der 2018 am Strand von Lambert’s Bay in Südafrika angespült worden war.
Bänke raus, Wal rein
Am Sonntag, 22. Februar, wird die Kunstinstallation in einem Gottesdienst um 11.30 Uhr von Weihbischof Rolf Lohmann feierlich eröffnet. Sie ist anschließend bis zum 22. März im Dom zu sehen. Die Ausstellung wird von mehreren Veranstaltungen begleitet.
Bevor sich der Wal im Xantener Dom niederlassen konnte - zuvor hatten Mitarbeiter der Dombauhütte die Bänke aus dem Mittelschiff entfernt -, war ein Kraftakt vonnöten. Schließlich galt es, die aus fünf Teilen bestehende Skulptur in den Dom zu transportieren: Vier Schulklassen des am Projekt beteiligten Xantener Berufskollegs Placidahaus waren angetreten, um die Einzelteile aus dem auf dem Marktplatz stehenden Lkw in die Kirche zu tragen. Allein um die zwei 14 Meter langen und 250 Kilogramm schweren Hauptteile des Körpers in den Dom zu tragen, waren jeweils 25 Schülerinnen und Schüler nötig.
Nadelöhr Eingang
Neben Muskelkraft waren Fingerspitzengefühl und Teamwork gefragt, als es darum ging, die sperrigen Teile durch das Südportal in den Dom zu tragen. Der Windfang hinter der Tür stellte in Höhe und Breite eine Herausforderung dar. Klare Ansagen von Gil Shachar und seinen Helfern halfen, das Nadelöhr zu meistern.
Die Idee zu seinem Wal-Projekt ist Shachar im Traum gekommen. „Ich habe von einem gestrandeten Wal geträumt. Und wie ich diesen abformte und daraus eine Skulptur machte“, berichtet der Künstler.
Der Wal in Xanten - warum jetzt?
Die lebensgroße Skulptur des größten auf der Erde lebenden Säugetiers solle an die Verletzlichkeit der Schöpfung erinnern: „Man steht davor und ist sprachlos.“ Die Installation sei kein naturwissenschaftliches Objekt, sondern ein Kunstwerk, „das mit dem Kirchenraum in Verbindung tritt“.
Für den Schirmherrn der Installation, Weihbischof Lohmann, ist der Zeitpunkt der Ausstellung gut gewählt: „Mit diesem gestrandeten, toten Tier haben wir im Grunde genommen die ganze Botschaft von Tod und Auferstehung plastisch vor uns. Es ist nicht zufällig, dass die Kunstinstallation während der Fastenzeit im Xantener Dom stattfindet.“ Sie solle anregen, Schöpfungsverantwortung und Klimagerechtigkeit in den Blick zu nehmen.
Weitere Veranstaltungen und Ausstellung
Für die am Projekt beteiligten Schulen der Propsteipfarrei St. Viktor sei dies „ein eindrucksvolles Sinnbild für Vergänglichkeit, Natur und Menschlichkeit“. Es würden „existenzielle Fragen unserer Zeit“ aufgeworfen, sagt Thorsten Funke, Leiter des Berufskollegs Placidahaus. Für Michael Lemkens, Schulleiter der Marienschule, stellt der Wal „ein starkes Symbol für Verletzlichkeit, Verantwortung und den Umgang des Menschen mit der Schöpfung“ dar.
Funke hebt das Begleitprogramm hervor: „Von einer Podiumsdiskussion über einen literarischen und musikalischen Abend bis zum Quiz am Wal ist alles dabei.“ Und das Stiftsmuseum Xanten zeigt ab dem 14. Februar eine Ausstellung mit weiteren Werken von Gil Shachar.
Der Wal ist vom 22. Februar bis 22. März im Dom in Xanten zu sehen, montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr, sonntags ab 12.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.