Papst Franziskus: Regenwald „lebensnötig für unseren Planeten“

Waldbrände in Amazonien sorgen weltweit für Besorgnis

Kirchenvertreter und Politiker äußern sich mit großer Sorge über die Waldbrände in der Amazonasregion. Papst Franziskus rief nach seinem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz am Sonntag dazu auf, die Brände im Regenwald so schnell wie möglich einzudämmen. „Lasst uns dafür beten, dass sie mit vereinten Kräften schnellstmöglich gebändigt werden“, sagte das Kirchenoberhaupt. Der Regenwald als grüne Lunge sei „lebensnötig für unseren Planeten“, so Franziskus.

Frührerer Amazonas-Bischof Kräutler an die betroffenen Ureinwohner

Der frühere Amazonas-Bischof Erwin Kräutler erinnerte an die von der Zerstörung betroffenen indianischen Ureinwohner der Region. „Für die Indios ist dieses Gebiet das Land ihres Überlebens, das Land ihrer Mythen, ihrer Riten, das Land für das Leben“, so der emeritierte Bischof der brasilianischen Diözese Xingu in einem Video der „Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag“ (Online). Regierung und „neokapitalistische Gesellschaft“ sähen das Land dagegen nur unter dem Aspekt „Kaufen und Verkaufen“. „Es gibt also Land zum Leben und Land als Ware. Da prallen die Dinge aufeinander.“

Der brasilianische Kardinal Claudio Hummes forderte angesichts der Brände einen dringenden Wandel der Entwicklungsmodelle. Bisher herrschten in Amazonien wirtschaftliche und private Interessen vor, die einer „Neuauflage des Kolonialismus“ gleichkämen, heißt es in einem Artikel des Kurienkardinals für die vatikanische Zeitung „Osservatore Romano“ (Samstag). Wenn sich daran nichts ändere, „wird die ganze Region zerstört werden, mit all den verheerenden Folgen, die schon absehbar sind“, so Hummes.

Im Oktober Sonder-Synode zu Amazonien

Auch das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, Bartholomaios I., beklagte die Lage am Amazonas. Die jetzigen Brände könnten Auswirkungen auf Generationen von Menschen haben. Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel hat wie Papst Franziskus immer wieder ökologische Fragen thematisiert.

Im Vatikan tagt im Oktober eine Sondersynode zu Amazonien. Bei dem Bischofstreffen vom 6. bis 27. Oktober soll es neben Theologie und Seelsorge auch um Umweltschutz sowie um die Belange der Indigenen und um Menschenrechte gehen.

Die Amazonas-Waldbrände sind die schwersten seit Jahren. Neben Brasilien spitzte sich auch in Bolivien die Situation zu. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro kündigte unterdessen ein hartes Vorgehen gegen Brandstifter an und beorderte zehntausende Soldaten zu Löscharbeiten in die Katastrophengebiete.

Bundeskanzlerin Merkel: Die schrecklichen Brände rütteln auf

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte vor der Abreise zum G7-Gipfel im französischen Biarritz in ihrem Video-Podcast am Samstag, dass der Klimaschutz eine zentrale Rolle beim Treffen spielen werde. Die „schrecklichen Brände“ rüttelten auf. Ziel sei, „einen klaren Aufruf zu senden, dass alles getan werden muss, damit der Regenwald aufhört zu brennen.“ Der französische Präsident Emmanuel Macron habe Recht: „Unser Haus brennt - und da können wir nicht schweigen.“

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) forderte eine G7-Initiative für ein internationales Hilfsprogramm für Schwellenländer zum Schutz der Regenwälder. „Bisher tragen die G7 Staaten zum globalen Regenwaldschutz nicht mehr als ein paar Wassertropfen an Unterstützung bei“, kritisierte er in der „Augsburger Allgemeinen“ (Montag).

„Die Welt schlittert unbekümmert in eine neue Massenausrottung und vertrödelt die wenige verbliebene Zeit, um die Menschheit zu retten“, sagte der Experte für Wiederaufforstung bei World Vision, Tony Rinaudo. Angesichts der Klimakrise sei jedes Großfeuer von globaler Bedeutung. „Wir alle verlieren“, so der Träger des Alternativen Nobelpreises 2018.